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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Sennfeld (Stadt Adelsheim, Neckar-Odenwald-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Sennfeld bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940. Ihre
Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Möglicherweise waren
auch bereits seit dem 14. Jahrhundert Juden am Ort (vergleiche zu Adelsheim).
1718 werden sieben Juden als Untertanen derer von Berlichingen in Sennfeld
genannt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1825 96 jüdische Einwohner (9,8 % von insgesamt 983 Einwohnern),
1875 121 (9,7 % von 1.253), höchste Zahl jüdischer Einwohner um 1895 mit 124
(10,1 % von 1.144), 1900 114 (10,6 % ), 1910 97 (9,7 % von 997). Die Sennfelder Juden lebten
bis Mitte des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich vom Vieh-, Pferde- und
Getreidehandel. Nach Auflösung der jüdischen Gemeinde in Korb
(1903) gehörten die dort noch lebenden jüdischen Einwohner gleichfalls zur
Gemeinde in Sennfeld.
Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 war Salomon Rosenfeld
Kriegsteilnehmer. Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde
Moritz Arthur Langnas (geb. 1.2.1894 in Lodz, gef. 1.11.1916), Hermann Levi
(geb. 31.3.1898 in Sennfeld, gef. 11.10.1917), Max Levi (geb. 6.7.1894 in
Sennfeld, gef. 23.10.1914), Isak Neuberger (Frankfurt),
Hermann Neumann (Frankfurt), Israel Thalheimer (geb. 25.7.1886 in Sennfeld, gef.
9.10.1915), Julius Wolf (Heilbronn, geb. 5.5.1882 in Sennfeld, gef. 21.3.1918). Die
Namen der Gefallenen stehen auf einem Ehrenmal im jüdischen Friedhof.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. In besonderer Weise hat seit 1876
Lehrer Nathanael Wolf das Gemeindeleben geprägt: 1907 trat er in Ruhestand,
nachdem er 31 Jahre in der Gemeinde gewirkt hatte. Sein Nachfolger war
vermutlich direkt Lehrer Gundersheimer (1911 in der unten stehenden Anzeige
genannt). Die Gemeinde gehörte seit 1827 dem Rabbinatsbezirk Merchingen
an, der seit 1886 vom Mosbacher Rabbiner mitverwaltet wurde.
Um 1924, als noch 72 jüdische Einwohner gezählt wurden (7,4 % von
insgesamt 970 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Karl Reis, Isak
Thalheimer und Adolf Neuberger. Als Lehrer und Kantor war der bereits genannte Herr
Gundersheimer tätig. An jüdischen Vereinen bestand zur Wohlfahrtspflege der Armenverein
(1924 unter Leitung von Karl Reis) sowie eine Ortsgruppe des Centralvereins.
1932 waren die Gemeindevorsteher Maier Levi (1. Vors.), Leopold Kaufmann (2.
Vors.) und Salomon Neuberger (3. Vors.). Für die Belange des jüdischen
Friedhofes gab es einen "Friedhofsausschuss" unter Vorsitz von Maier Levi. Im Schuljahr 1931/32 erhielten 7 jüdische Kinder
Religionsunterricht.
An ehemaligen, bis nach
1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer
Familien sind bekannt: Metzgerei Ferdinand Falk (Hauptstraße 45,
abgebrochen; ehem. Schlachthaus wird als Lager genutzt), Metzgerei Schmai Falk (Schlossstraße
6), Schuhmacher Isaak Hamburg (Hauptstraße 43), Bäckerei und Mazzenversand
Leopold Kaufmann (bis 1924, Hauptstraße 44), Pferdehandlung Maier Levi (Hauptstraße
26), Getreide- und Viehhandlung mit Landwirtschaft Siegfried Levi (Hauptstraße
38), Viehhandlung und Landwirtschaft Adolf Neuberger (Hauptstraße 55),
Viehhandlung und Landwirtschaft Isaak Neuberger (Hauptstraße 60), Metzgerei
Sally Neumann (Bahnhofstraße 2), Getreide-Großhandlung Karl Reiß (Hauptstraße
61), Viehhandlung mit Landwirtschaft Salomon Neuberger (Kirchgasse 2), Viehhandlung mit Landwirtschaft Isaak Thalheimer (Hauptstraße 37).
1933 lebten noch 56 jüdische Personen in Sennfeld. Auf Grund der Folgen
des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien
verließ alsbald ein Teil der jüdischen Einwohner den Ort. Immer mehr
jüdische Familien verarmten und waren auf die jüdischen Fürsorgeeinrichtungen
angewiesen.
1936
bis 1939 bestand eine Hachschara, ein
landwirtschaftliches Lehrgut für die Vorbereitung von Jungen und Mädchen zur
Auswanderung nach Palästina in den Anwesen von Adolf und Isaak Neuberger
(Hauptstraße 55 und 60).Auf dem Lehrgut wurden innerhalb dieser Zeit etwa
56 Jugendlich aus allen Teilen Deutschlands vor ihrer Auswanderung nach
Palästina praktisch und theoretisch in die Landwirtschaft eingeführt und
erhielten Unterricht in Hebräisch, Soziologie, Geschichte, jüdischer
Gegenwartskunde, Literatur und Naturwissenschaft.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge
zerstört (s.u.). Das landwirtschaftliche Lehrgut sowie einige jüdische
Wohnungen wurden gleichfalls durch SA-Leute aus Osterburken, Adelsheim und
Eberbach gestürmt und verwüstet. Jüdische Einwohner wurden misshandelt,
darunter wurde dem 75jährigen Josef Levi ein Schultergelenk ausgerenkt. Bis
1940 konnten 29 jüdische Personen in die USA (14), nach Palästina (6),
Argentinien (4) und in andere Länder emigrieren. Sechs Personen waren in dieser
Zeit noch am Ort verstorben. Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten 21
jüdischen Einwohner nach Gurs / Südfrankreich deportiert. 1944 wurde noch die
mit einem nichtjüdischen Mann verheiratete Flora Schaller geb. Reis in das
Ghetto Theresienstadt verschleppt. Sie konnte zwar 1945 zurückkehren, starb
jedoch an den Folgen der Lagerzeit 1946 in Karlsruhe.
Von den in Sennfeld geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Friederike
Bodenheimer geb. Zwang (1856), Abraham Falk (1889), Emil Fleischhacker (1910),
Lot Fleischhacker (1940), Frieda Fröhlich geb. Neuberger (1888), Gerson
Grünfeld (1873), Josef Kaufmann (1883), Max Kaufmann (1903), Samuel Kaufmann
(1878), Joseph Levi (1863), Adolf Neuberger (1874), Eduard Neuberger (1869),
Elisabeth Neuberger (1919), Gida Neuberger geb. Thalheim (1894), Hans Neuberger
(1918), Ida Neuberger geb. Waitzfelder (1884), Isack Neuberger (1884), Salomon
Neuberger (1872), Selma Neuberger geb. Rollmann (1883), Sigmund Neuberger
(1874), Johanna (Juliana) Neumann geb. Zwang (1888), Rolf Neumann (1934), Berta
Reis geb. Wolf (1866), Milli Reis (1899), Berta Stein geb. Neuberger (1869),
Claire Stern geb. Thalheimer (1896), Ida Straus geb. Zwang (1875), Fanny Zwang
(1862).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Zum Tod von Lehrer Moses Münzesheimer (1892; vermutlich in den 1840er-Jahren
Lehrer in Sennfeld)
Moses Münzesheimer stammte aus Rohrbach.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1892: "Worms.
Am Freitag hat man dahier einen Mann zu Grabe getragen, dessen Tod,
besonders im Großherzogtum Baden, seinem früheren Wirkungskreise, recht
viele Teilnahme erwecken wird. Es ist dies Moses Münzesheimer,
Hauptlehrer in Pension. Derselbe gehörte noch zu denjenigen Lehrern,
welche unter Nahholz das Seminar in Rastatt besuchten. Münzesheimer
bekleidete die Schulstelle zu Sennfeld,
Leutershausen und schließlich zu
Neidenstein, Bezirksrabbinat Heidelberg. An letzterem Ort wirkte er
eine lange Reihe von Jahren als öffentlicher Lehrer und Kantor. Wie die
Kreisschulvisitatur Mosbach sich stets
in der anerkennendsten Weise über die Leistungen Münzesheimers als
Elementarlehrer aussprach, so war dies auch mit seinen Leistungen als
Religionslehrer der Fall. Als im Jahre 1878 die Kommunalschulen in Baden
allgemein eingeführt wurden, wurde er pensioniert. Er übersiedelte
alsdann hierher, wo schon einige Jahre vorher, mehrere seiner Kinder sich
selbständig gemacht hatten. Trotz seiner 74 Jahre war der Verstorbene ein
so rüstiger, körperlich und geistig frischer Greis, dass er noch die
Absicht hatte, sich in Heidelberg einer Augenoperation zu unterziehen.
Montag Abend wohnte er noch wie alltäglich dem Abendgottesdienste an;
Mittwoch beendete ganz unerwartet ein Herzschlag sein leben. Bei seiner
Beerdigung, die unter großer Beteiligung stattfand, schilderte Rabbiner
Dr. Stien in beredter Weise das Leben des Hingeschiedenen, indem er dabei
in meisterhafter Weise, das Bild eines treuen und tüchtigen Lehrers
entrollte. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.
R." |
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1875
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1875:
"Die israelitische Religionslehrer-Stelle dahier, verbunden mit dem
Schächter- und Vorsängerdienst, mit einem jährlichen Gehalt von 700
Mark und den üblichen nicht unbedeutenden Neben-Gefällen und freier
Wohnung.
Einem verheirateten Mann geben wir den Vorzug. Die sich Bewerbenden wollen
sofort ihre Offerten unter der Adresse 'Dem Synagogenrat Sennfeld im
Großherzoglich Badischen Bezirksamt Adelsheim' einsenden.
Der Synagogenrat." |
| Auf diese Ausschreibung hin bewarb sich
erfolgreich Lehrer Nathanael Wolf, der bis dahin in Großeicholzheim
als Lehrer gewirkt hatte. |
Auszeichnung für Lehrer Nathan(ael) Wolf
(1898)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Oktober 1898:
"Nachdem aus dem Vermächtnis der Michel Weil Eheleute in Straßburg
zur Verleihung von Preisen auf 2. August dieses Jahres die Summe von 640
Mark der Behörde zur Verfügung gestellt worden ist, hat dieselbe dem
Hauptlehrer Elias Jakob in Bühl einen
Preis von 200 Mark und den Religionsschullehrern Nathan Wolf in
Sennfeld, Abraham Heimberger in Reilingen,
Jesaias Schwarzwälder in Schluchtern
und Moses Lippmann in Karlsruhe je einen Preis im Betrage von 100 Mark in
Anerkennung ihrer langjährigen, verdienstlichen Leistungen auf dem Gebiet
des israelitischen Religionsunterrichts zuerkannt. Der Restbetrag von 40
Mark wurde zum Ankauf geeigneter Bücher, welche als Aufmunterungspreise
an jüngere strebsame Lehrer verteilt werden sollen,
bestimmt." |
Weitere Auszeichnung für Lehrer Nathanael Wolf (1899)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1899: "Sennfeld,
7. September (1899). Heute Nachmittag fand dahier auf dem Rathause durch
den Großherzoglichen Amtsvorstand, Herrn Oberamtmann Dr. Mays die
Überreichung der von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog dem
hiesigen israelitischen Religionslehrer Herrn Wolf verliehenen
Auszeichnung statt. Zu dem feierlichen Akte hatte sich der Gemeinderat,
der evangelische Geistliche, der Synagogenrat, sowie die Lehrerschaft
eingefunden. Nach der Ansprache des Großherzoglichen Amtsvorstandes
dankte der Dekorierte, worauf Herr Bürgermeister Gramlich ein Hoch auf
unseren geliebten Großherzog ausbrachte. Im 'Engel' fand später ein
gemütliches Beisammensein statt, bei welchem der hiesige evangelische
Geistliche im Namen der evangelischen Gemeinde dem Dekorierten Glück zu
seiner Auszeichnung wünschte. Die wirkungsvolle Ansprache klang aus in
ein Hoch auf Herrn Lehrer Wolf. Der Dekorierte - hoch geschätzt von
jedermann - wirkt nun 45 Jahre als Lehrer, wovon 23 Jahre in Großeicholzheim
und die übrigen 22 Jahre in Sennfeld. Möge Herr Lehrer Wolf sich
noch lange Jahre in ungetrübter Frische des Geistes und Körpers der
hohen Auszeichnung erfreuen." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1899: "Eppingen,
12. Oktober (1899). In der jüngsten Zeit wurden drei israelitische
Religionslehrer von Seiner Königlichen Hoheit, dem Großherzog von Baden
goldene Verdienst-Medaillen gnädigst verliehen: den Herrn Lehrern
Brandeis in Worblingen,
Schwarzwälder in Schluchtern und
Wolf in Sennfeld..." |
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Nathanael Wolf mit Verleihung des "Chower"-Titels
(1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1901: "Am
Sabbat Saßrija Mezorah veranstaltet die hiesige Gemeinde zu Ehren
der 25jährigen Tätigkeit des Herrn Lehrer N. Wolf in Sennfeld eine
Feier, die sich zu einer imposanten Kundgebung für den Jubilar
gestaltete. Die Gemeinde überreichte Herrn Wolf als Zeichen der
Hochschätzung und seiner treu geleiteten Dienste einen prächtigen Pokal
mit entsprechender Inschrift. Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein aus
Mosbach hob bei der Festpredigt, welche ein wahres Meisterwerk der
Rhetorik war, die besonderen Verdienste des Jubilars hervor, die er sich
schon um das Wohl der Gemeinde erworben habe. Rührend war der Augenblick,
als Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein bemerkte, dass er zwar keine
Orden verleihen könne - Herr Lehrer Wolf besitzt nämlich die goldene
Verdienstmedaille - aber das, was er vergeben könne, bringe er ihm heute
mit, nämlich den 'Chower'-Titel.
Am Nachmittag fand ein Bankett statt, woran sich nicht nur die
Gemeindemitglieder von Sennfeld und Adelsheim beteiligten, sondern auch
der Ortsgeistliche, die Lehrer, die gesamte Gemeindeverwaltung und sehr
viele Ortsbürger von Sennfeld waren anwesend, welche in schönen Worten
ihren Freundschaftsgefühlen für den Jubilar Ausdruck verliehen.
Möge es Herrn Wolf noch lange vergönnt sein, den erhaltenen Ehrentitel
in steter Gesundheit führen zu können." |
Ankündigung des 50-jähriges Dienstjubiläums von
Lehrer Wolf (1904)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April
1904: "Sennfeld (Baden). Am 10. Mai dieses Jahres feiert Lehrer
Wolf dahier sein 50-jähriges Dienstjubiläum." |
50-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Nathanael Wolf (1904)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Mai 1904:
"Sennfeld. Am 10. Mai (1904) feierte Herr Lehrer Wolf dahier sein
50jähriges Lehrerjubiläum. Als Anerkennung seiner sehr erfolg- und
segensreichen Tätigkeit erhielt derselbe vom Großherzoglichen Oberrat
der Israeliten das Bild Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von
Baden in Lebensgröße mit sehr huldvollem Schreiben. Von Nah und Fern,
von Freunden und Bekannten liefen zahlreiche, herzliche Glückwünsche
ein, die beweisen, wie Herr Wolf allerseits geachtet und geehrt wird. Der
Jubilar, der sowohl in geistiger als auch in körperlicher Beziehung eine
noch fast jugendliche Frische zeigt, war nur in zwei Gemeinden tätig -
vor 22 Jahren in Großeicholzheim
und 28 Jahre in Sennfeld - eine Tatsache, die man heute selten antrifft.
Möge die Zukunft auch ferner Herrn Wolf nur heitere und glückliche Tage
bringen." |
Lehrer Nathanael Wolf tritt in den Ruhestand (1907)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1907:
"Sennfeld (Baden), 27. Januar (1907). Zu Ehren des bis zum 1. Februar
dieses Jahres in Ruhestand tretenden Herrn Lehrers Wolf, fand am 26.
Januar eine sehr zahlreich besuchte Abschiedsfeier statt, welche Zeugnis
von der großen Beliebtheit des Herr Wolf, der 31 Jahre hier wirkte,
ablegte. In den verschiedenen Ansprachen - so auch von dem Ortsgeistlichen
- wurden die zahlreichen Verdienste des aus dem Amte Scheidenden um Schule
und Gemeinde, seine große Menschenfreundlichkeit und Nächstenliebe,
rühmend hervorgehoben. Als Zeichen der Anerkennung seitens der Gemeinde,
überreichte Herr Vorstand Reis eine künstlerisch ausgeführte
Ehrenurkunde. Schon vor Jahren erhielt Herr Wolf von Seiner Königlichen
Hoheit dem Großherzog von Baden die goldene Verdienstmedaille." |
Goldene Hochzeit von Lehrer Nathanael Wolf und seiner Frau Regina geb.
Kälbermann (1910)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. Juli 1910:
"Sennfeld (Baden). Lehrer a.D. Wolf und Frau geb. Kälbermann
feierten die goldene Hochzeit." |
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Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Juni
1910: "Herr Nathanael Wolf und seine Ehefrau Regina geb. Kälbermann,
begehen am 19. Juni dieses Jahres das Fest der Goldenen Hochzeit. Herr
Wolf hat über 50 Jahre als israelitischer Religionslehrer amtiert, ist
Inhaber der goldenen Verdienstmedaille Seiner Königlichen Hoheit des
Großherzogs von Baden und domiziliert heute noch am Platze seiner letzten
Stelle in Sennfeld in Baden." |
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| Zum Tod von Lehrer
Nathanael Wolf (1912) |
Eintragung
im Toten- und Friedhofsbuch der jüdischen Gemeinde Sennfeld (1884-1939; online
einsehbar über die Website des Landesarchivs Baden-Württemberg):
"No 84: Lehrer Nathanael Wolf, Lehrer a.D. starb nach
31-jähriger Tätigkeit am hiesigen Platze, in der Nacht von Samstag auf
Sonntag um 1 Uhr am 4. August 1912 und wurde beerdigt am 6. August 1912
unter sehr starker Beteiligung, am Dienstag mittag 1 Uhr. Reihe III No.
10." |
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Links:
Grabstein
für Lehrer Nathanael Wolf und seiner Frau Regina geb. Kälbermann auf dem
jüdischen Friedhof Sennfeld. |
Anzeige/Spendenaufruf von Lehrer Gundersheimer (1911)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 10. März
1911: "Dringende Bitte!
Für alleinstehende, ältere kranke
und allen Mitteln entblößte Person, bittet der Unterzeichnete um milde
Gaben. Quittung erfolgt in diesem Blatte.
Lehrer Gundersheimer,
Sennfeld, Baden." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum 90. Geburtstag von Joseph Heidelberger (geb. 1844 in Sennfeld und bis 1924
hier wohnhaft)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1934: "Bad
Mergentheim, 2. Juli (1934). Vor kurzem feierte Herr Joseph
Heidelberger in körperlicher und geistiger Frische und Rüstigkeit seinen
90. Geburtstag. Herr Heidelberger, in Sennfeld (Baden) geboren und
dort bis vor 10 Jahren wohnhaft, ist sowohl bei seinen Geschäftsfreunden
infolge seiner Reellität und Hilfsbereitschaft als auch bei seinen
Bekannten dort und hier wegen seines freundlichen und liebenswürdigen
Wesens allgemein geschätzt und beliebt. Am Sabbat wurde seines Festes in
der Synagoge Erwähnung getan und am Sonntag war sein Haus voll von
Gratulanten von hier und auswärts. Mögen ihm noch weitere Jahre der
Gesundheit und Rüstigkeit beschieden sein!" |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
Im 18. Jahrhundert war eine Synagoge ("Judenschule") auf dem
Platz der 1836 eingeweihten Synagoge oder in der unmittelbaren Nähe vorhanden.
Hier lag vermutlich auch ein rituelles Bad, eventuell bei dem bis 1920
bestehenden, mit einem Abfluss in Richtung Hauptstraße versehenen
"Judenseelein" (1920 aufgefüllt).
Da die alte Synagoge in den 1820er-Jahren für die Bedürfnisse der jüdischen
Gemeinde nicht mehr ausreichte, stellten die Gemeindevertreter am 25. August 1828
bei den Behörden einen Antrag auf Genehmigung des Neubaus einer Synagoge
an der Hauptstraße auf dem Grundstück des Emanuel Oppenheimer (heutiges
Grundstück Hauptstraße 43). Am 19. Oktober 1832 konnte man den Plan und den
finanziellen Überschlag für den Bau vorlegen. Im Mai 1835 unterzeichnete Moses
Hamburger als Vorsteher des Synagogenrats den Kaufvertrag. Im folgenden Monat
wurden die Bauarbeiten vergeben, die bis zum folgenden Jahr abgeschlossen werden
konnten. 1836 erfolgte die Einweihung der Synagoge.
Das Gebäude enthielt Betsaal, rituelles Bad, Unterrichtsraum der jüdischen
Schule (bis 1876 Konfessionsschule) und eine Lehrerwohnung.
Es handelt sich bei der Sennfelder Synagoge um einen Massivbau, aus gehauenen
heimischen Muschelkalksteinen gemauert, vorne zur Straße mit hohem Satteldach,
auf der Rückseite mit Walmdach. Eine breite Außentreppe führt durch eine
Korbbogentüre ins Innere, in deren Kopfbogen die Worte von Psalm 118,20
eingraviert und mit schwarzer Farbe bemalt waren: "Dies ist das Tor zum
Herrn, Gerechte treten durch es hinein". Die hohen, ebenfalls
korbbogenartigen Fenster der Rückseite und der Eingang deuten auf die besondere
Aufgabe des Gebäudes hin.
Betritt man das Innere der Synagoge, so steht man in einem Gang, der geradeaus
zum Betsaal führt. Auf der rechten Seite befand sich zunächst das Schulzimmer,
in dem die jüdischen Kinder Religionsunterricht erhielten. Die beiden Räume
auf der linken Seite des Ganges enthielten die alte und die neue Mikwe,
das rituelle Bad. Da das Grundwasser, das die alte Mikwe speiste, so hoch stand,
dass es nie ganz ausgepumpt und deshalb nicht vollständig gereinigt und auch
nicht ausreichend erwärmt werden konnte, wurde 1868/69 eine neue Mikwe im
vorderen Zimmer gebaut. Beide Mikwen wurden erst 1992 bei Renovierungsarbeiten
wieder gefunden und in den ursprünglichen Zustand versetzt.
Beim Betsaal selbst handelte es sich um einen rechteckigen
Versammlungsraum mit einer Breite von 8,90 m und einer Länge von 11,25 m. Der
Fußboden war mit roten Sandsteinplatten bedeckt. Im vorderen Teil des Raumes
stand im Mittelgang vor dem Toraschrein die Bima, die etwa 0,50 m erhöht war
und aus einfachen Holzbrettern bestand und mit einem Geländer umgeben war. Im
Betsaal saßen die Männer, getrennt nach Verheirateten, Unverheirateten und
Jugendlichen (ab der Bar Mizwa) in Stühlen, die nach 1900 durch Bankreihen
ersetzt wurden. Die Frauenempore war durch die Treppe zur Lehrerwohnung zu
erreichen. Der Lehrer wohnte in den drei Räumen des ersten Stockes. Im zweiten
Stock gab es ein Gastzimmer der Gemeinde. Den Rest des 2. Stockes bildet ein großer
Dachboden mit einer frei tragenden Balkenkonstruktion, in dessen Fußboden eine
umfangreiche Genisa gefunden wurde.
1936 konnte man noch das hundertjährige Bestehen der Synagoge
feiern, über das auch in der jüdischen Presse berichtet wurde:
Artikel
im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt" im
Juni 1936 S. 351: "Mannheim. Das 'Gemeindeblatt' in Mannheim
berichtet von einem 100jährigen Synagogenjubiläum der kleinen jüdischen
Gemeinde in dem Dorfe Sennfeld. Bei der Feier waren der Oberrat der
badischen Israeliten, der Bezirksrabbiner und zahlreiche Nachbargemeinden
vertreten." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1936: "Sennfeld
(Baden), 5. Mai (1936). Unsere Gemeinde beging am vorletzten Sonntag das
hundertjährige Jubiläum ihrer Synagoge mit einer würdigen Feier.
Zahlreiche nordbadische und württembergische Gemeinden waren vertreten.
Ein vom zuständigen Lehrer, Herrn Moritz Bloch, Adelsheim,
gut eingeübter Kinderchor eröffnete mit dem japhetischen Ma Towu
die Feier. Anschließend rezitierte Herr Lehrer Bloch einen Psalm. Eine
Schülerin trug einen von Frl. Milka Kälbermann, Großeicholzheim,
verfassten Prolog vor, worauf mit dem Ausheben der Torarollen und den
üblichen Umzügen die eigentliche Feier begann. Die Gesänge beim
Einheben werden nun von Herrn Lehrer David Baracker, Mosbach,
vorgetragen. Herr Vorsteher Levi entbietet den zahlreich Erschienen die
Grüße der Festgemeinde. Der Vertreter des Oberrats der Israeliten
Badens, Herr Prof. K. Darmstädter, Mannheim, übermittelt die Grüße und
Wünsche des Oberrats. Für die Bezirkssynagoge Merchingen,
zu der die Jubelgemeinde gehört, spricht Herr Synodalabgeordneter
Bezirksältester Moritz Rosenbaum, Hainstadt.
Sodann überbringt Herr Synodalabgeordneter Bezirksältester David
Rothschild, Mosbach, die Glückwünsche
der Bezirkssynagoge Mosbachund
schildert in längeren Ausführungen die Gemeindetraditionen und
überreicht eine von Lehrer Baracker, Mosbach,
künstlerisch entworfene Ehrenurkunde. Bezirksältester Leopold Cahn, Wertheim,
übermittelt durch Herrn Bezirksrabbiner Greilsheimer, Mosbach,
die Glückwünsche der Bezirkssynagoge Wertheim am Main. Es sprach nun
Herr Samuel Jesselsohn, Neckarbischofsheim,
einer der gesetzestreuen Pioniere Badens, sinnige Toraworte. Herr
Hauptlehrer Kaufmann, Mannheim, der
jahrelang in Sennfeld segensreich gewirkt hatte, richtete markige
Worte an die Festversammlung. Für die benachbarten württembergischen
Gemeinden überbringt Herr Kirchenpfleger Gutmann, Olnhausen, Grüße. Von
größter Wirksamkeit war die Festpredigt unseres Raw, Herrn
Bezirksrabbiner Greilsheimer, Mosbach.
Von der Forderung der Heiligung in der Sidra ausgehend, schilderte der
Herr Rabbiner die Gründungszeit des Gotteshauses und erwähnte die
Männer, die das heilige Werk vollbracht haben. In tiefster Dankbarkeit
gedenkt Redner des ersten Vorstehers, Herrn Moses Hamburger, Carl Reis
u.a., sowie der amtierenden Lehrer bis auf den derzeitigen zuständigen
Lehrer Moritz Bloch, Adelsheim und aller für die Gemeinde verdiente
Männer. Anschließend daran trug Herr Lehrer D. Scheuermann, Großeicholzheim,
das Mincha-Gebet vor. Mit Psalmgesängen, warm vorgetragen von
Herrn Lehrer Baracker, Mosbach,
schließt die denkwürdige Feier. Br." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung
der Synagoge durch SA-Leute aus Eberbach, Osterburken und Adelsheim und durch
vier Parteimitglieder aus Sennfeld weitgehend zerstört. Die Kultgegenstände
und Gebetbücher wurden auf die Straße geworfen und vernichtet. Am 7. Februar
1940 wurde das Gebäude durch Isaak Neuberger, letztes Vorstandsmitglied der jüdischen
Gemeinde, an die politische Gemeinde Sennfeld für 3050 RM verkauft.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude als Filmsaal,
Gefangenenunterkunft, Militärquartier zweckentfremdet. Im März 1950 erfolgte eine Rückerstattung
an die Jewish Restitution Successor Organization (JRSO, New York), die
ihrerseits das Haus am 3. Februar 1951 an die katholische Kirchengemeinde
Adelsheim für deren Filiale in Sennfeld für 19 700 DM verkaufte. Nach dem Bau
einer katholischen Kirche in der Weinbergstraße verkaufte die Kirchengemeinde
das Haus an die politische Gemeinde Sennfeld für 16 000 DM. Einige Zeit feierte
noch die Neuapostolische Gemeinde hierin Gottesdienst. Nach einer Renovierung
1964 ist der ehemalige Betsaal als Versammlungsraum für örtliche Vereine und
Veranstaltungen der evangelischen Kirchengemeinde umgebaut worden. 1973 wurde
auf der ehemaligen Frauenempore auf Initiative von Sennfelder Bürgern ein
kleines Heimatmuseum untergebracht, das jedoch noch keinen Bezug zur
jüdischen Geschichte Sennfelds hatte. 1990 übernahm Reinhart Lochmann die
Leitung des Museums und des inzwischen ebenfalls in der ehemaligen Synagoge
untergebrachten Ortsarchivs. Er setzt einen Schwerpunkt seiner Arbeit in der
Erforschung der jüdischen Geschichte des Ortes.
Am äußerlich weitgehend unveränderten Gebäude befindet
sich heute noch der Grundstein mit der Jahreszahl "1836". Die darüber
befindliche Inschrift wurde - ebenso wie der Psalmvers (Psalm 118,20) auf dem
Kopfbogen über dem Eingang - in der NS-Zeit herausgemeißelt. Am 9. November
1991 wurde über dem Grundstein eine Gedenktafel zur Erinnerung an die
Bestimmung des Hauses und die Deportation der Juden aus Sennfeld 1940 am Gebäude
angebracht. 1996 wurde auf Grund der Arbeit von Reinhart Lochmann in der
ehemaligen Lehrerwohnung des Gebäudes ein Gedenk- und Ausstellungsraum zur Geschichte der jüdischen
Gemeinde eingerichtet. Seit 2001 dient das Gebäude ausschließlich als
Heimatmuseum, Gedenkstätte und Ortsarchiv.
Fotos
Historische Fotos:
|
Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle
Hinweise bitte an
den Webmaster, E-Mail-Adresse siehe Eingangsseite |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
| August 2009:
2011 soll das erweitere Dokumentationszentrum zur
jüdischen Geschichte in der Synagoge eröffnet werden |
Artikel von Anja Traspel in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 14.
August 2009: "Ein jüdischer Schatz im Bauland.
Sennfeld. (at) Die ehemalige Synagoge, die mit ihrem Massivbau aus gehauenen Muschelkalksteinen heute immer noch das Ortsbild prägt, gehört aufgrund ihrer besonderen Geschichte zu den bedeutendsten Gebäuden Sennfelds. Im übernächsten Jahr soll die Ausstellungsfläche noch um das Dachgeschoss der Synagoge erweitert werden, wo ein Jüdisches Dokumentationszentrum für den gesamten Kreis installiert werden soll. Fördermittel hierfür wurden bereits in Aussicht gestellt, auch mit der Planung wurde schon begonnen.
Der 1836 durch Spendenaktionen von der jüdischen Gemeinde errichtete Bau, ist fast unverändert erhalten geblieben und beherbergt seit längerer Zeit ein kleines Heimatmuseum und eine jüdische Gedenkstätte für die ehemaligen Judengemeinden in Adelsheim und Sennfeld. Hier lassen sich die jüdischen Wurzeln bis ins 14. Jahrhundert n. Chr. verfolgen.
Das Gebäude soll nun zu einem Ort der Dokumentation für jüdische Geschichte im gesamten Neckar-Odenwald-Kreis werden. Auf diese Weise soll die Erinnerung an die Verstorbenen, aber auch an die noch Lebenden und ihre Nachkommen wachgehalten werden. Zugleich will man Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich machen sowie auf die wechselvolle Geschichte des einstigen Gotteshauses aufmerksam machen.
Mit der zunehmenden Entrechtung der Juden durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft verlor auch die Synagoge ihre eigentliche Aufgabe. Beim Novemberpogrom 1938 wurde auch das Sennfelder Gotteshaus nicht verschont: Ein SA-Kommando zerstörte die Inneneinrichtung, kultische Gegenstände und Gebetbücher. In den folgenden Jahren diente das Gebäude verschiedenen Zwecken. Zeitweise wurde es beispielsweise als Filmsaal, Militärquartier, katholische Kirche oder als Bleibe für Flüchtlingsfamilien genutzt bis es schließlich zu einem Museum wurde.
Die bisherige Ausstellungskonzeption beschränkte sich auf die örtliche Geschichte. Erst durch intensive Recherchen des Museumsleiters und Fachmanns für jüdische Geschichte, Reinhart Lochmann, weiteten sich die Forschungsarbeiten im Laufe der Zeit auf den gesamten Neckar-Odenwald-Kreis aus. Da die Sennfelder Synagoge die einzige in der Umgebung ist, die noch original Betsaal, Lehrerwohnung, Lehrstube und sogar zwei Mikwen (rituelle Bäder) sowie eine Geniza (Schatzkammer zur Aufbewahrung ausgedienter jüdischer Schriften) besitzt und zudem bereits als Gedenkstätte dient, lag die Vorstellung nahe, dort das Dokumentationszentrum für den ganzen Kreis einzurichten.
Diese Umgestaltung ließe sich in Verbindung mit der geplanten Dachsanierung zur Reduzierung der Heizkosten realisieren. Der jetzige Dachboden könnte dann als Ausstellungs- oder Seminarraum genutzt werden. Nach Fertigstellung der Pläne sollten die Baumaßnahmen eigentlich spätestens nächstes Jahr beginnen.
Allerdings musste dieser Termin aus folgenden Gründen verschoben werden: Zum einen befindet sich im zweiten Stock des Gebäudes ein Dachboden, in dessen Fußboden eine umfangreiche Geniza gefunden wurde, die nun erst gehoben werden musste. Da das Haus aber unter Denkmalschutz steht, mussten die wertvollen Fundstücke erst von Experten sachgemäß gesichert werden. Zum anderen laufen schon die Vorbereitungen für das Jubiläumsfest "900 Jahre Sennfeld" im Jahr 2010 bei dem sich das ganze Dorf natürlich von seiner besten Seite zeigen möchte. Hinzu kommen noch notwendige Untersuchungen hinsichtlich der Deckenstatik.
Aus diesen Gründen ist man mit Bürgermeister Klaus Gramlich überein gekommen, dass die vorgesehenen Renovierungs- und Umbauarbeiten, die sich auf rund eine Million Euro belaufen würden, frühestens im Jahr 2011 durchgeführt werden. Bleibt zu hoffen, dass die bereits in großem Umfang gebilligten Zuschüsse aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum bis dahin abrufbereit bleiben. Ansonsten müsste die Stadt Adelsheim, die jetzt schon auf die Mithilfe möglichst vieler Ehrenamtlicher angewiesen ist, die ganzen Kosten alleine tragen.
In der Zwischenzeit sind alle Interessierten eingeladen, die schon vorhandenen Ausstellungsräume zu besichtigen.
Die aktuelle Jahresausstellung der Gedenkstätte für Juden im ehemaligen Betsaal berichtet über eine aus Sennfeld stammende Familie namens Levi.
Des weiteren gibt es traditionelle jüdische Fundstücke, Dokumente und Fotos aus der vergangenen Zeit zu sehen. Herausragend ist vor allem die alte Mikwe, die zusammen mit der neueren erst 1992 bei Renovierungsarbeiten wieder gefunden und daraufhin in ihren ursprünglichen Zustand versetzt worden ist. Noch heute speist Grundwasser das jüdische Tauchbad, das rituelle Reinigung bringen sollte. Ferner gibt es das im ersten Stock befindliche Heimatmuseum, das neben landwirtschaftlichen Gerätschaften die Ausstattung eines bäuerlichen Wohnhauses zeigt, zu besichtigen.
Bis zur Fertigstellung des erweiterten Dokumentationszentrums wird es wohl noch eine Weile dauern. Freuen darf man sich aber schon auf die Schätze der vor kurzem gefundenen Geniza und auf weiteres interessantes Material rund um die jüdische Geschichte.
Die einstige Synagoge ist auf jeden Fall einen Besuch wert und gibt Anlässe genug, sich Gedanken über die Vergangenheit, aber auch über heutiges soziales Verhalten in unserer Gesellschaft, besonders im Umgang mit Andersdenkenden, zu machen.
Info: Besichtigungen der jüdischen Gedenkstätte und des Heimatmuseums sind immer mittwochs, von 15 bis 18 Uhr möglich. Führungen nach Vereinbarung mit Leiter Reinhart Lochmann, Tel. 06291 1408. |
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| März 2012:
Zum 70. Geburtstag von Reinhart Lochmann
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Artikel in der "Fränkischen
Nachrichten" vom 24. März 2012: "Reinhart Lochmann feiert
seinen 70. Geburtstag".
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zum Artikel |
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| Mai 2012:
Über die Arbeit der Gedenkstätte und das
Heimatmuseum in der ehemaligen Synagoge |
Artikel von Daniela Käflein in den
"Fränkischen Nachrichten" vom 19. Mai 2012: "Reinhart
Lochmann erforscht die Geschichte der jüdischen Familien in Sennfeld -
Synagoge ist Gedenkstätte und Heimatmuseum. 'Die Menschen sind hier
nicht vergessen'..."
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zum Artikel |
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| August 2012:
Veranstaltungen zum Europäischen Tag der
jüdischen Kultur |
Artikel von Sabine Braun in fnweb.de vom 16.
August 2012: "Synagoge in Sennfeld: Beim Europäischen Tag der jüdischen Kultur am 2. September werden Gegenstände aus der im Jahr 2009 gehobenen Genisa präsentiert.
Objekte aus verborgenem Ort.
Sennfeld. Schriftstücke, Gebetsriemen, Buchfragmente und weitere Gegenstände jüdischen religiösen Lebens wird Reinhart Lochmann am Europäischen Tag der jüdischen Kultur am Sonntag, 2. September, von 15 bis 18 Uhr in der ehemaligen Synagoge Sennfeld vorstellen. Die Objekte stammen aus der "Genisa", die Reinhart Lochmann vor drei Jahren in der Synagoge gehoben hat und die nun teilweise erstmals der Öffentlichkeit präsentiert
werden..."
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zum Artikel |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 259-260. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 349-351. |
 | Wilhelm Wetterauer: Publikationen aus den 1980er-Jahren
(maschinenschriftlich vervielfältigt):
Das ehemalige landwirtschaftliche jüdische
Lehrgut in Sennfeld. |
 | ders.: Die ehemalige Synagoge in Sennfeld. |
 | ders.: Der israelitische Friedhof in Sennfeld. |
 | ders.: Das Judenseelein in Sennfeld. |
 | Reinhart Lochmann: Geschichte der jüdischen Gemeinde Sennfeld. |
 | ders.: Dokumentation des jüdischen Friedhofs Sennfeld. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007. |
 | Rudolf Landauer, Reinhart Lochmann: Spuren jüdischen Lebens im Neckar-Odenwald-Kreis. Herausgegeben vom Landratsamt NOK, 2008, ISBN: 978-3-00-025363-8. 200 S., 284 Fotos, 19,90 Euro.
Informationen zu dieser Publikation auf Seite
zum Friedhof Mosbach. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Sennfeld Baden. Jews
first settled in the 17th century. A synagogue was built in 1836 and the Jewish
population rose to 121 in 1875 (total 1,253). In 1933, the Jewish population
stood at 56. From 1936, a pioneer training farm was operated, preparing Zionist
youth for aliya. On Kristallnacht (9-10 November 1938), while the
synagogue was being vandalized, the farm was attacked and Jews there were
severely beaten. Including the pioneer youth, 143 Jews were present in Sennfeld
in the Nazi period; 30 emigrated and 80 left for other German cities, most of
them also emigrating. Another 22 perished in the camps, most being deported to
the Gurs concentration camp on 22 October 1940.

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