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Volkmarsen mit
Stadtteilen Ehringen und Külte (Kreis Waldeck-Frankenberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Volkmarsen bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück. Nachweise liegen u.a. durch Geburtsnachweise bzw. Geburtsorte in den
Sterberegistern vor.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1818 120 jüdische Einwohner (4,8 % von insgesamt 2.504 Einwohnern), 1827
129 (4,6 % von 2.796), 1855 169, 1861 149 (5,5 % von 2.727), 1871 148 (6,0 % von
2.466; in etwa 40 Familien), - 1885-1905 nach Angaben des "Statistischen
Jahrbuches des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes": - 1885 118 (5,3 % von 2.246), 1888 120, 1892
96 (in 22 Familien), 1894 101 (in 24 Familien), 1895 92 (in 24 Familien; 3,6 % von
2.491), 1896 102 (in 23 Familien), 1897 89 (in 22 Familien; von 2.491
Einwohnern), 1905 83 (3,6 % von 2.220). Die bekanntesten jüdischen Familiennamen
waren im 19. Jahrhundert Alsberg, Hüneberg, Hamberg, Katzenstein, Lilienthal,
Meyerhoff und Rosenstock. Die jüdischen Haushaltsvorsteher waren als Vieh-,
Pferde- und Getreidehändler tätig. Einige von ihnen hatten ein Handwerk
erlernt.
Auch die in Ehringen und
Külte lebenden wenigen
jüdischen Personen (in Ehringen 1825 eine Familie) gehörten zur jüdischen Gemeinde
Volkmarsen.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische
Elementarschule bzw. Israelitische Volksschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof.
Die Israelitische Elementarschule bestand von 1837 bis 1912. Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich
als Vorbeter, teilweise auch als Schochet tätig war. Als Lehrer waren tätig: von 1832 bis
1866 Lehrer Herz Silberberg (siehe Bericht zu seinem Tod unten) und von 1866 bis 1909
Lehrer Joseph Wertheim (siehe Berichte unten; Wertheim unterrichtete
jahrelang auch die jüdischen Kinder in Breuna
(bzw. Breuna-Niederelsungen, 1892 13, 1894 18, 1895 20 Kinder, dazu die Kinder in Beiseförth;
1892 waren in Volkmarsen 23, 1894 25 Kinder, 1895 27, 1896 20 zu unterrichten).
Nach 1909 war bis zu seinem Wechsel nach Unna 1912 Lehrer Julius Buchdahl in Volkmarsen. 1912 bis
Ende 1914 war (anschließend in Frankenberg)
Lehrer Ferdinand Stern in Volkmarsen, später Artur Auerbacher. Die Israelitische
Elementarschule war nach Weggang von Lehrer Wertheim in eine
Privatelementarschule umgewandelt worden (in den 1920er-Jahren nur noch
Religionsschule).
Als Schochet wird zusätzlich zum Lehrer um 1887/89 S. Stern genannt
(zugleich als Synagogendiener tätig), um 1892/94 S. Nathan (gleichfalls als
Schochet und Synagogendiener). 1896/97 hatte Lehrer Joseph Wertheim das Amt des
Schochet übernommen, als Synagogendiener um 1896/97 ist Aron Lichtenstein
eingetragen.
Die Gemeinde gehörte mit den anderen jüdischen Gemeinden
des ehemaligen Kreises Wolfhagen zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in
Kassel.
Von den Gemeindevorstehern werden u.a. genannt: um 1887/89 M. Schiff und
Ph. Katzenstein, um 1892 Ph. Blumenberg und Ph. Katzenstein, um 1894/96 J.
Isenberg und A. Meyerhoff, 1897 A. Meyerhoff und J. Isenberg, 1905 J. Isenberg.
Von den jüdischen Vereinen werden genannt: ein Israelitischer Armen- und Krankenverein (1889
unter Leitung von J. Rosenthal, um 1892/97 J. Baruch und M. Meyerhoff, 1905 M.
Meyerhof), ein Israelitischer Frauenverein (1889
unter Leitung der Frau von M. Schwarz, 1892/94 zusammen mit Fr. Meyerhoff, 1895
nur Fr. Meyerhoff, 1896/97 Frauen von G. Blumenberg und J. Baruch, 1905 Frau von
J. Blumenberg).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der Gemeinde Unteroffizier Otto
Katzenstein geb. 2.11.1891 in Volkmarsen, gest. 8.5.1917 in Gefangenschaft,
wurde zuvor mit dem "Eisernen Kreuz II" für seinen Kriegseinsatz ausgezeichnet,
"Der Gemeindebote" vom 28. Juli 1916 S. 2, "Dr. Blochs österreichische
Wochenschrift" vom 1.9.1916 S. 579),
Moritz Meyerhoff (geb. 10.10.1893 in Volkmarsen, gef. 20.3.1916), Theodor
Meyerhoff (geb. 28.11.1891 in Volkmarsen, gef. 21.7.1918), Leo Hamberg (geb.
30.5.1897 in Volkmarsen, gest. an der Kriegsverletzung 16.1.1920) und Albert
Rosenstock (geb. 3.7.1880, gef. 15.9.1919). Ausgezeichnet wurden für ihren
Kriegseinsatz: Reservist Julius Hamberg mit dem Eisernen Kreuz II ("Dr.
Blochs österreichische Wochenschrift" vom 28.1.1916 S. 76).
Um 1924, als zur Gemeinde noch 53 Personen gehörten (2,3 % von insgesamt
2.330 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Salomon Hamberg (gestorben
1926 im Alter von 69 Jahren) und Albert Meyerhoff. Als Schochet kam
Gottlieb Eichholz (Niederelsungen) regelmäßig in die Gemeinde. Den
Religionsunterricht der damals noch zwei schulpflichtigen jüdischen Kindern
erteilte Lehrer Hermann Katzenstein aus Wolfhagen. An jüdischen Vereinen
gab es zwei Wohltätigkeitsvereine, den Männerarmenverein (Männerchewra;
1924/32 unter Leitung von Philipp Katzenstein, Zweck und Arbeitsgebiete: Unterstützung
hilfsbedürftiger Männer) und den Frauenarmenverein (Frauenchewra,
1924/32 unter Leitung von Betty Katzenstein). 1932 waren die
Gemeindevorsteher Albert Meyerhoff (1. Vors.) und M. Lichtenstein (2. Vors.).
Religionslehrer der jüdischen Kinder war weiterhin Hermann Katzenstein aus
Wolfhagen. Im Schuljahr 1931/32 hatte er fünf Kinder zu unterrichten.
1933 lebten noch 34 jüdische Personen in Volkmarsen (1,3 % von insgesamt
2.650 Einwohnern). In den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Hauptsächliche
Auswanderungsziele waren die USA und Palästina. Nach dem Novemberpogrom 1938
wurden die in der Stadt verbliebenen jüdische Familien gezwungen, in das
Gebäude der jüdischen Schule in der Geilingstraße umzuziehen (Mitglieder der
Familien Isenberg, Lichtenstein, Rosenstock und Meyerhoff). Sie wurden im Juli
1942 abgeholt und über Kassel in die Vernichtungslager des Ostens
deportiert.
Von den in Volkmarsen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Johanna Baum geb.
Schwarz (1868), Rose (Roda) Bonnin geb. Schwarz (1869), Else Daltrop geb. Baruch
(1887), Minna Falk geb. Baruch (1885), Julie Frankenstein geb. Schwarz (1878),
Rosa Hattenbach geb. Katzenstein (1884), Margarete Heilbrunn geb. Meyerhoff
(1902), Frieda Hirschen geb. Schwarz (1882), Emilie Isenberg (1883), Selma
Joseph geb. Alsberg (1868), Herbert Levi (1931), Mathilde Levy geb. Wertheim
(Tochter von Lehrer Joseph Wertheim s.u., 1867), Inge Lichtenstein (1930), Käthe Lichtenstein geb. Frankenthal (1892), Maich Meinhard Lichtenstein (1886), Albert (Abraham) Meyerhoff (1866), Betty
Meyerhoff geb. Oppenheim (1868), Frida Meyerhoff (1897), Lieselotte Michel
(1926), Rosa Erna Michel geb. Meyerhoff (1894), Jenny Nagel geb. Meyerhoff
(1889), Rosa Rosenstock (1882), Mathilde Schwarz
(1869).
Nach 1945 kehrte nur ein Mitglied der ehemaligen jüdischen Gemeinde nach
Deutschland zurück: Julius Meyerhoff, der 1937 nach Palästina emigriert war
und nach 1945 in Frankfurt am Main lebte.
Hinweis: Seit September 1934 war im
heutigen Volkmarser Stadtteil Külte ein
Vorbereitungslager / landwirtschaftliche Ausbildungsstätte (Hachschara)
vor allem für jüdische junge Erwachsene, die sich für die Auswanderung nach
Palästina vorbereiteten. Für eine abgeschlossene landwirtschaftliche
Ausbildung konnte man ein Zertifikat der britischen Regierung bekommen, das zur
Auswanderung nach Palästina berechtigte. In Hessen bestanden vier solche
Ausbildungsstätten: neben Külte in Grüsen
bei Gemünden an der Wohra, in Gehringshof bei Fulda und Lohnberghütte bei
Weilburg. In Külte stellte der jüdische Holzhändler Simon Strauß hierfür
sei Gelände am Külter Bahnhof kostenlos zur Verfügung. An Wochenenden wurde von Besuchern der SS-Führerschule im Grüßener Schloss
das Gebäude immer wieder stundenlang mit Steinen beworfen. Im August 1936 wurde
die Hachschara wieder aufgelöst. - Die
Eröffnung der Hachscharah-Lager in
Külte und Grüsen 1934 wurde im "Israelitischen Familienblatt"
mitgeteilt:
Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. Oktober 1934: "Kassel. In
Grüsen bei Gemünden, Bezirk Kassel, ist ein neuer
Hachscharah-Kibbuz des Hechaluz mit zehn Teilnehmern eröffnet worden. -
In Külte bei Volkmarsen wurde ein Kibbuz mit vollkommener
Eigenwirtschaft (Gärtnerei) eröffnet. Hier werden zwölf junge Juden
beschäftigt." |
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Allgemeine Beiträge zur
jüdischen Geschichte
Charakteristische Familiennamen in Volkmarsen stammen bei der Namengebung 1808
von Flur- und Bergnamen der Umgebung (Beitrag von 1936)
Aus
dem Beitrag von Gustav Samuel: Die Namengebung der westfälischen
Landjudenschaft von 1808 in: "Zeitschrift für die Geschichte der Juden in
Deutschland" 1936 Heft 1 S. 49-50: "Viele westfälische Landjuden endlich
bedienten sich, um trotz des Verbotes den Stammort im neuen Namen zu
verewigen, eines Mittels, das sonst bei der Durchführung der entsprechenden
Verordnungen nicht seinesgleichen hat: sie erkoren als neue Familiennamen
die für die allernächste Umgebung der Landorte geltenden Flur- und
Gemarkungsbezeichnungen, die nächsten Berge, Täler, Wälder, auch die
Straßen, an denen die Stammhäuser lagen. So wurden u. a. angenommen die
Namen (nur die Namen zu Volkmarsen werden aus dem Beitrag mitgeteilt):
Alsberg in Volkmarsen - Esberg in Volkmarsen
- Isenberg in Volkmarsen - Kugelmann in Volkmarsen
(schon vor der Emanzipation fester Familienname nach dem Kugelsberg bei
Volkmarsen) - Udewald in Volkmarsen..." |
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Zum Tod von Lehrer Herz Silberberg (1866, war 34 Jahre als
jüdischer Lehrer in Volkmarsen tätig)
Anmerkung: Lehrer Herz Süßkind Silberberg wurde 1811 in
Felsberg geboren (nach Grabinschrift mit dem
religiösen Namen: Naftali ben Alexander Segal Silberberg) als Sohn von
Süskind Silberberg und seiner Frau Briefchen geb. Rosenstock. Er
studierte am israelitischen Lehrerseminars in Kassel. Seine erste Stelle nach
bestandener Prüfung in Kassel war 1830 bis 1832 in
Frankershausen. Dann wechselte er nach
Volkmarsen, wo er 34 Jahre als Schullehrer blieb und am 12. April
1866 im Alter von 55 Jahren gestorben ist. Er wurde im jüdischen
Friedhof Volkmarsen beigesetzt (Dokumentation 1938 Grab Nr. 29). Silberberg
war seit 27. Juli 1836 verheiratet mit Blümchen geb. Schiff (geb. 27.
September 1813 in Kassel). Die beiden hatten sieben Kinder (Geburtsdaten nach
Eintragungen in den Personenstandsregistern Volkmarsen im Hessischen
Hauptstaatsarchiv Wiesbaden): Bertha (geb. 22. April 1838);
David (geb. 20. Dezember 1839); Gerdrud (sic!, geb. 3. Juni 1841,
nach Amerika ausgewandert 1865); Benjamin (geb. 5. Februar
1843, nach Amerika ausgewandert 1862); Siegfried (geb. 20. September
1849) und Zwillingsbruder Magnus (geb. 20. September 1849), Betti
(geb. 9. September 1854). Einer der Söhne studierte nach dem Bericht unten seit
1864 am Lehrerseminar in Kassel.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Mai 1866. Aus
Niederhessen. 18. April (1866). Wehe über die Verlorenen, die
nicht wieder gefunden werden. In diesen Klageruf wird Jeder, der den
braven Lehrer Silberberg zu Volkmarsen gekannt hat, und nun
erfährt, dass derselbe am 12. dieses Monats von dem Herrn aus diesem
Erdenleben abgerufen worden ist, mit mir einstimmen. Er war ein Lehrer,
desgleichen wir nur selten finden. Ein Mann von gediegenen Kenntnissen in
unsern heiligen Religionsschriften und allen weltlichen Wissenschaften,
wie sie unsere Zeit von einem tüchtigen Lehrer fordert, war er ein über
alles gewissenhafter Lehrer in Israel, und erhielte die besten Erfolge bei
seinen Schülern, die ihn liebten und verehrten, denn bei seinem
Unterrichte war Ernst mit Liebe gepaart, und bei seiner Behandlung der
Kinder gab sich überall kund, dass er nur die reinste Absicht habe, sie
zu guten und tüchtigen Menschen und Juden zu machen. Zur Handhabung der
Disziplin brauchte er seit Jahren keinen Stock oder andere dergleichen
körperliche Zuchtmittel; eine strenge Zensur genügte, seine Schüler zum
Eifer und Fleiß anzuspornen, und Ordnung und Sittlichkeit bei denselben
in und außer der Schule zu erhalten. Seinen Leistungen in der Schule, die
bei jeder öffentlichen Schulprüfung und Schulrevision durch den
christlichen Oberschulinspektor, sowie durch den Landrabbinen wahrzunehmen
waren - wurde auch von den vorgesetzten hohen Behörden die gebührende
Anerkennung durch Belobungsschreiben und Gratifikationen aus dem
Provinzialschulfond gezollt; was nicht minder von dem dabei anwesenden
Synagogengemeindevorstand aus der Gemeindekasse geschah. Aber nicht bloß
auf die Schuljugend, sondern auch auf alle Individuen seiner Gemeinde
strebte der brave Silberberg bei jeder sich darbietenden Gelegenheit
belehrend und anregend zu wirken, und suchte dies besonders durch die
öffentlichen Vorträge und Reden, die er an manchen Festtagen, oder bei
feierlichen Gelegenheiten hielt, zu erzielen; denn er war im wahren Sinne
des Wortes ein Gottesfürchtiger. Seine echte Religiosität, seine
gediegenen Kenntnisse, mit denen er ein wahrhaft bescheidenes und
freundliches Benehmen gegen Jedermann verband, neigten ihm die Herzen und
die Achtung aller derer zu, die mit ihm bekannt geworden; so Christen, als
Juden. Sein Dahinscheiden hat darum die Menge seiner zahlreichen Freunde
und Verehrer mit Trauer erfüllt, und Alle, denen es möglich war, nahmen
an seinem Leichenbegängnis den 15. dieses Monats, nachmittags 4 Uhr,
teil, das ein so großes war, dass der Leichenzug zwei Straßen füllte.
Man sah in demselben außer den Mitgliedern seiner Synagogengemeinde von
Jung bis Alt (die ja zumeist Schüler des Dahingeschiedenen waren) und gar
vielen Israeliten und Lehrern aus den Gemeinden der Umgegend, auch die
meisten Bürger der Stadt, von den angesehensten bis zu den Tagelöhnern
herab: der Bürgermeister, die Stadträte und andere angestellte Männer,
und an der Spitze derselben die katholischen und protestantischen Pfarrer
und Lehrer; alle erwiesen dem ihnen so werten Entschlafenen die letzte
Ehre. Der Lehrer Gutkind aus Wolfhagen hielt die Grabrede, in welcher er
unter anderem auch auf den Verlust hindeutete, der durch den Tod
Silberbergs in so manchen Kreisen und Verhältnissen, in denen derselbe
gelebt und gewirkt, empfunden werden wird.
Silberberg war im Seminar zu
Kassel ausgebildet und wurde nach bestandener Prüfung von der
Kurfürstlichen Regierung als Lehrer für die Gemeinde Frankershausen
bestellt, und nach einer 1 1/2-jährigen Wirksamkeit an der Schule
daselbst, erhielt er die Lehrerstelle zu Volkmarsen, in welcher er bis zu
seinem Tode 34 Jahre lang mit einem von Gott gesegneten Erfolge wirkte. Er
wurde nur 57 Jahre alt und hinterlässt eine trauernde Witwe mit 7 zum
Teil erwachsenen Kindern, von denen 3 in Amerika sich befunden, und einer
seiner Söhne - seit 2 Jahren Zögling des Seminars zu Kassel - hat in den
letzten paar Monaten den Dienst seines Vaters versehen müssen. Das
jüngste Kind ist kaum 11 Jahre alt.
Alle echt religiösen, sowie alle wohltätigen Zwecke nach besten Kräften
zu fördern, war der Verewigte stets tätig. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens. 'Das Andenken des Frommen bleibt
zum Segen!' W." |
Zum Tod von Lehrer Tannenbaum in Wanfried mit nochmaligem Eingehen auf den Tod
seines Freundes Lehrer Herz Silberberg in Volkmarsen (1866)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1866: "Aus
Niederhessen, am 4. Juni (1866). Erst wenige Wochen sind verstrichen,
seitdem ich dem verewigten teuren Kollegen Silberberg zu Volkmarsen in
diesen Blättern (Nr. 18) ein Denkmal gesetzt und schon wieder tritt die
traurige Pflicht an mich heran, ein gleiches dem geschätzten - am 30.
vorigen Monats entschlummerten - Amtsbruder Tannenbaum zu Wanfried zu
stiften. Von dem so nahe aufeinander erfolgten Tod dieser beiden Freunde
könnte man in mehrfacher Beziehung die Worte Davids sagen: 'Die Geliebten
und Holden in ihrem Leben, auch in ihrem Tode sind sie nicht getrennt'
(2. Samuel 1,23). Sie waren von der Zeit ihres gleichzeitigen Besuches der
israelitischen Lehrerbildungsanstalt zu Kassel miteinander befreundet;
beiden waren von echtem Schrot und Korn, gediegen in Kenntnissen unserer
heiligen Tora und in den weltlichen Wissenschaften; beide gottesfürchtige
Männer..., echt-religiös und von ihrem heiligen Berufe als Lehrer in
Israel erfüllt; beide für die Schule rastlos tätig, welche
übermäßige Anstrengung vielleicht ihren frühen Tod (denn auch Tannenbaum
hat noch nicht das 60. Lebensjahr erreicht) teilweise herbeigeführt;
beide waren wegen ihrer Kenntnisse bei Juden und Christen geschätzt, und
in Folge ihres menschenfreundlichen bescheidenen Benehmens geliebt. Sie
gingen kurz nacheinander in die friedlichen Räume der Seligen ein, um mit
diesen von ihren Arbeiten auszurufen und die süßen Früchte ihrer Taten
zu genießen. 'Rühmet den Gerechten, denn ihm geht es gut, denn die
Frucht ihrer Werke werden sie essen' (Jesaja 3,10). Auch bei
Tannenbaums Leichenbegängnis, das am 1. dieses Monats - gerade an dem
nämlichen Tage, an welchem vor zwei Jahren seine 25jährige
Amtstätigkeit in der Gemeinde Wanfried gefeiert wurde (siehe das Referat
über dieses Jubiläum im Jahrgang 1864 dieser geschätzten Zeitschrift) -
stattfand, zeigte sich eben dieselbe allgemeine Teilnahme an dem Heimgange
des treuen Lehrers, Freundes und trefflichen Mitbruders.
Tannenbaum, im Jahre 1807 zu Mansbach in der Provinz Fulda geboren,
bekleidete als angehender Jüngling schon - natürlich in alter Weise,
eine Privatlehrerstelle in der kleinen israelitischen Gemeinde Malsfeld
Kreis Melsungen. Er war dabei auf Vermehrung seiner Kenntnisse stets
bedacht, studierte fleißig die Bibel mit den gangbarsten Kommentaren,
sowie auch andere Schriften der rabbinischen Literatur; und um sich für
das damals gegründete israelitische Seminar zu Kassel vorzubereiten,
erhielt er auf sein Ansuchen von dem Pfarrer des Ortes, der dem liebenswürdigen,
ebenso lerneifrigen, als talentvollen Jüngling sehr gewogen war, einen
erweiterten Unterricht in den deutschen Fächern. Mit guten Kenntnissen
ausgerüstet, meldete er sich zur Aufnahme in das Kasseler Seminar, die
man ihm aber, weil diese Anstalt nur für Niederhessen und nicht auch für
die anderen 3 Provinzen Kurhessens, da sie nichts zu den Kosten derselben
beitragen, vorhanden, nicht gewährt hätte, wenn nicht der damalige
Oberlehrer Herr Rosenbach seligen Andenkens, der bei der
Rezeptionsprüfung die gediegenen Kenntnisse und die guten Anlagen
Tannebaums wahrgenommen, ihm die unentgeltliche Aufnahme bewirkt hätte.
In dieser Pflanzstätte bildete er sich zu einem tüchtigen Lehrer aus,
als welcher er, nachdem am Ende des dreijährigen Kursus bestandenen
Examen, für die israelitische Gemeinde Spangenberg von Kurfürstlicher Regierung
bestellt wurde. Nach neunjähriger erfolgreicher Amtswirksamkeit daselbst,
- während welcher Zeit er sich mit einer braven Jungfrau aus seiner
Gemeinde verheiratete, - wurde er in Folge seiner Bewerbung nach der Stadt
Wanfried versetzt, in welcher Gemeinde er 27 Jahre lang segensreich
wirkte, bis ihn der Herr abrief. Von seinen eklatanten Leistungen zeugen
die vielen Belobungsschreiben und Gratifikationen, die ihm in Folge der
Schulvisitationsberichte von den hohen Behörden geworden. Vom Herrn
Kreisrabbiner Wetzlar - sein Licht leuchte - zu Gudensberg wurde ihm, als
er noch Lehrer in Spangenberg war, der Chower-Titel verliehen. Bei
seiner |
Funktion
als Chasan (Vorsänger) wurden die Betenden durch seinen ebenso
andachts- als klangvollen Vortrag mit ihm zur Andacht gestimmt.
Von seinen 4 Söhnen haben 3 sich dem Berufe des Vaters gewidmet. Leider
sind 2 derselben kurze Zeit nach dem Eintritt ins Lehramt, der eine nach 1
1/2 - und der andere nach kaum einjähriger Dienstzeit aus dem Erdenleben
geschieden; nur einer noch fungiert als Lehrer im Königreich Hannover;
der vierte Sohn ist jetzt im Begriff, sich als Buchbinder zu etablieren,
und die einzige Tochter, einige und zwanzig Jahre alt, ist noch bei der
Mutter. Westheim." |
Über Lehrer Joseph Wertheim (1866 bis 1909 Lehrer
in Volkmarsen)
Lehrer Joseph Wertheim ist geboren am 6. März 1839 in
Gudensberg als Sohn von Mayer Wertheim und
seiner Frau Sprinzchen geb. Goldschmid (vgl. genealogische Angaben
https://jinh.lima-city.de/gene/Goldschmidt/Goldschmidt_aus_Gudensberg.htm).
Er heiratete am 1. September 1863 Jettchen geb. Abt, die am 22. November 1841
in Melsungen geboren ist als Tochter des
Daniel Abt und der Dina geb. Katz.
Die beiden hatten vier Kinder:
- Mathilde (geb. 21. Juni 1867 in Volkmarsen - verheiratete Levy, deportiert
ab Kassel - Chemnitz 1942, umgekommen Ghetto Theresienstadt 1942).
- Daniel genannt Theodor (geb. 25. August 1868 in Volkmarsen, studierte am
israelitischen Lehrerseminar in Kassel (Prüfung 1889), 1895 bis 1919 Lehrer in
Hannoversch-Münden; verheiratet seit 1896 mit Bertha geb. Goldschmidt; Sohn Otto
ist 1898 in Hannoversch-Münden geboren; bis 1937 war die Familie in
Hannoversch-Münden, zuletzt in der Bahnhofstraße 4; 1937 Umzug nach Kassel, dann
nach Frankfurt, Bertha Wertheim starb am 25. Oktober 1938 in Frankfurt, Theodor
am 31. Juli 1938 ebd.; Sohn Otto wurde am 7. Februar 1941 in der Tötungsanstalt
Hadamar ermordet; vgl. Personalakte Theodor Wertheim
https://www.lagis-hessen.de/de/purl/resolve/subject/qjg/id/10558 Online-Gedenkbuch
- Region Göttingen:
https://stadtarchiv.goettingen.de/portal/aseiten/online-gedenkbuch-der-ns-verfolgten-902000010-25480.html?naviID=900001487&brotID=900001487
- Abraham / Adolf (geb. 1870 in Volkmarsen, wurde Lehrer u.a. 1895-1913 in
Zimmersrode, gest. 1916, zu ihm weitere
Informationen in der Seite zu Zimmersrode
und in der Seite zu Neustadt);
- Hendel Helene (geb. 1877 in Volkmarsen, heiratete im Juni 1904 den
Kaufmann Salli/Sally Marx (aus Grüsen) in
Frankenberg (Verlobungsanzeige von 1903 siehe unten), führte mit ihrem Mann
bis zur erzwungenen Geschäftsaufgabe ein Mode- und Kolonialwarengeschäft in
Frankenberg.
Joseph Wertheim war
von 1858 bis 1866
Lehrer in Beiseförth, danach von 1866 bis
zum Eintritt in den Ruhestand 1909 in Volkmarsen, wo die Familie im
Gebäude der jüdischen Schule in der Geilingstraße lebte.
Nach der Pensionierung 1909 waren Joseph Wertheim und seine
Frau nach Frankenberg gezogen, um hier den
Lebensabend bei der Tochter Helene und dem Schwiegersohn Salli Marx zu
verbringen. .
Jettchen Wertheim starb am 15. November 1914 in Frankenberg und wurde auf dem
Friedhof in Volkmarsen beigesetzt. Joseph
Wertheim starb am 21. Januar 1917 in
Frankenberg und wurde neben seiner Frau auf dem
Friedhof in Volkmarsen beigesetzt (siehe
Berichte unten).
Salli und Helene Marx wohnten 1936-37 in Hannoversch-Münden beim Theodor
Wertheim, dem Bruder von Helene; emigrierten Ende der 1930er Jahre nach Johannesburg, Südafrika.
Helene starb 1959 in Johannesburg, Sally im Dezember 1943 ebd..
In der Dokumentation von Baruch Wormser (aufgenommen Juli 1938) sind die
Gräber von Joseph und Jettchen Wertheim mit Inschriften aufgeführt
(Doppelgrab 109/110), doch ist der Grabstein nach der Zerstörung des Friedhofes
in der NS-Zeit nicht erhalten:
Seite aus
der Dokumentation von Baruch Wormser).
Lehrer Joseph Wertheim sucht einen mehrarmigen Kronleuchter für
die Synagoge (1876)
Anmerkung: es ist nicht klar, ob Lehrer Wertheim den Kronleuchter für die
Synagoge in Volkmarsen gesucht hat, vermutlich eher für eine Gemeinde in
der Umgebung.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. September 1876:
"In einer kleinen Gemeinde wird ein mehrarmiger Kronenleuchter (Menorah)
zu kaufen gesucht und wird ein löblicher Vorstand, in dessen Gemeinde
vielleicht durch einen Synagogen-Neubau ein solcher Leuchter überzählig
geworden, höflichst gebeten, dem Unterzeichneten gefälligst davon
Nachricht geben zu wollen.
J. Wertheim, Lehrer zu Volkmarsen, Regierungsbezirk
Kassel." |
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Joseph Wertheim (1891)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Dezember 1891: "Volkmarsen
(Hessen Nassau), 15. November (1891). Heute wurde das 25-jährige
Dienstjubiläum unseres hochverehrten Lehrers Joseph Wertheim durch die
Schüler und die Gemeinde festlich begangen, welche denselben außerdem
reichlich beschenkten. Das Fest begann mit einem feierlichen Schulakt. Während
des ganzen Tages erschienen die Gemeindemitglieder, ehemalige Schüler und
Schülerinnen des Ortes, selbst zahlreiche christliche Bürger, namentlich
die Spitzen der Stadt sowie mehrere Lehrer, Schüler und Fremde aus der
Umgegend. Abends fand im Schullokale eine gemeinsame Gemeindefeier statt;
Vorträge humoristischen und ernsten Inhaltes wechselten hier ab.
Möge es dem im kräftigsten Mannesalter stehenden Jubilar vergönnte
sein, auch dereinst im Kreise seiner lieben Familie und unserer Gemeinde
sein 50-jähriges Jubiläum in derselben Geistesfrische und Körperkraft
zu feiern." |
| |
Artikel
in der "Israelitischen Wochenschrift" vom 28. November 1891: "Volkmarsen,
(Hessen-Sachsen). 25. November, (Original-Korrespondenz). Eine selten schöne
Feier beging die hiesige Gemeinde am 15. November. Galt es doch, an ihm den
vor 25 Jahren erfolgten Eintritt unseres hochverehrten Lehrers Herrn J.
Wertheim zu feiern, der es während dieses Viertel-Jahrhunderts
verstanden hat, sich die Liebe und Verehrung der Gemeinde wie die
Hochachtung der Behörden zu erwerben. Das zeigte sich auch so recht bei der
Jubiläumsfeier. Alle Gemeindemitglieder waren bestrebt, ihrem beliebten
Führer und Leiter einen recht schönen und ehrenvollen Tag zu bereiten, Die
Jugend eröffnete die Feier des Morgens mit einem Choral in der Schule und
ein jedes Kind hatte ihren lieben Lehrer mit einem für den Tag passenden
Gedicht zu erfreuen gewusst. Nach Beschluss dieses Schulaktes wurde dem
Jubilar ein von seinen Schülern gewidmetes Geschenk (ein silberner Pokal)
überreicht. Zahlreiche Gratulanten kamen und gingen den ganzen Tag. — Briefe
und Depeschen liefen fortwährend ein, alle atmeten aufrichtige Liebe und
Verehrung; mehrere Lehrer, Schüler und gute Freunde aus der Umgegend hatten
es sich nicht nehmen lassen, dem Jubilar ihre herzlichen Glückwünsche
persönlich zu überbringen, unter Überreichung sinnreicher und wertvoller
Geschenke. Abends fand im Schullokal eine gemeinsame Gemeindefeier, welche
von der Familie Wertheim arrangiert gewesen war, statt. Vorträge
humoristischen und ernsten Inhalts wechselten ab and ein gemütlicher Tanz
hielt die Teilnehmer bis zur späten Stunde vergnügt beisammen.
Möge es dem im kräftigsten Mannesalter stehenden Jubilar vergönnt sein,
dereinst auch mit seiner lieben Frau und seinen Kindern sein 50-jähriges
Jubiläum in derselben Geistes- und Körperfrische zu feiern!" |
50-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Joseph Wertheim (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1908:
"Volkmarsen, 25. März (1908). Am 8. April feiert der allverehrte
Lehrer und Kantor unserer Gemeinde, Herr Joseph Wertheim, sein 50jähriges
Amtsjubiläum. Wie man hört, rüstet sich die Gemeinde, diesen Ehrentag
ihres pflichttreuen Beamten durch eine entsprechende Feier zu
begehen." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1908: "Volkmarsen,
Regierungsbezirk Kassel, 20. April (1908). Eine Kundgebung herzlichster
Sympathie und Wertschätzung darf die 50jährige Jubiläumsfeier des Herrn
Lehrers Josef Wertheim, die am 8. April in unserer Gemeinde unter
Teilnahme der gesamten Einwohnerschaft und der Spitzen der Behörden
begangen wurde, genannt werden. Der Bürgermeister mit den
Stadtverordneten, der katholische und evangelische Ortsgeistliche und der
Amtsgerichtsrat nahmen alle persönlich an der Jubelfeier teil. Gegen 11
Uhr erschien in der Wohnung des Jubilars in Begleitung des Königlichen
Ortsschulinspektors der königliche Kreisschulinspektor, Herr Metropolitan
Jakobi - Wolfhagen, der im Auftrage des dienstlich verhinderten Landrats
mit herzlich anerkennenden Worten, die von Seiner Majestät Allerhöchst
verliehene Auszeichnung, den Adler der Inhaber des Hohenzollernschen
Hausordens mit der Zahl 50 dem Jubilar überreicht. Hieran reihte sich der
Festgottesdienst, der in erhebend feierlicher Weise durch gesangliche
Vorträge der Herrn Oberkantor Witepski - Kassel und Lehrer Wertheim -
Hannoversch-Münden (Sohn des Jubilars) der Weihe stimmungsvollen Ausdruck
verlieh. Herr Landrabbiner Dr. Doktor - Kassel feierte in seiner Festrede
das verdienstvolle Wirken des Jubilars im Dienste der Gemeinde. Nach beendigtem
Gottesdienst begaben sich sämtliche Festteilnehmer im geschlossenen Zuge
in den Bielefeld'schen Saal, wo die offizielle Schulfeier stattfand und
die Vertreter der Behörden und verschiedenen Korporationen dem Jubilar
ihre Glückwünsche darbrachten. Auch viele Delegierte und Deputationen
aus Vereinen und Lehrerkreisen überbrachten Adressen und Ehrengaben. Tief
gerührt dankte der Jubilar für die vielen Zeichen der Liebe und Anhänglichkeit,
die ihm entgegengebracht wurden. Ein solennes Mahl vereinigte nunmehr die
Festteilnehmer in gehobener Stimmung. Möge es dem Jubilar vergönnt sein,
sich noch eine lange Reihe von Jahren voller körperlicher und geistiger
Frische, und eines heiteren, sonnigen Lebensabends zu erfreuen." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Israelitischer Lehrer und Cantor" Nr. 4 S. 15: "Volkmarsen,
9. April 1908. Gestern beging unter hohen Ehrungen der Lehrer der hiesigen
Gemeinde, Herr Joseph Wertheim sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum. Als Erster
fand sich der Königliche Kreis-Schulinspektor, Herr Metropolitan Jacoby
- Wolfhagen, in Begleitung des Königlichen Orts-Schulinspektors, des
evangelischen Pfarrers Herrn Fürer - Volkmarsen, in der Wohnung des
Jubilars ein, um ihm seine eigenen Wünsche sowie diejenigen der Königlichen
Regierung zu Kassel zu überbringen und den von Sr. Majestät dem Könige
verliehenen Adler der Inhaber des Hohenzollerischen Hausordens zu
überreichen. Die Festgäste hatten sich inzwischen vor dem Bielefeld'schen
Saale zu einem Festzuge nach der Synagoge geordnet, wo durch Herrn
Landrabbiner Dr. Doktor- Kassel ein Festgottesdienst abgehalten
wurde, deren Mittelpunkt nach dem Vortrage eines Chorals durch den
Synagogenchor unter Leitung des Herrn Lehrers Schlitt und eines
Psalms durch Herrn Oberkantor Witepski - Kassel die Festpredigt des Herrn
Landrabbiners bildete. Im Bielefeld'schen Saale fand alsdann die Fortsetzung
der Feier statt. Herr Dr. Doktor überbrachte die Glückwünsche und ein
namhaftes Geldgeschenk des Vorsteheramtes der Israeliten zu Kassel. Herr
Lehrer Gutkind - Kassel entbot die Wünsche des Hauptausschusses des
Hessischen Volksschullehrer-Vereins, der Vorsitzende der Israelitischen
Lehrerkonferenz Hessens, Herr Lehrer Amram -
Borken, mit der Gratulation der israelitischen Lehrer Hessens die
Ehrengabe derselben, einen Sessel, und in einer Adresse auch herzliche
Glückwünsche des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche.
Der Lehrer-Bezirksverein Wolfhagen ließ durch eine Deputation eine schöne
Standuhr überbringen, und die ehemaligen Schüler aus
Beiseförth, Volkmarsen und aus
der Synagogengemeinde Breuna, wo Herr W.
den Religionsunterricht erteilt, widmeten ihrem alten Lehrer neben einer
kunstvollen Adresse eine goldene Taschenuhr, zu der die Synagogengemeinde
Volkmarsen eine goldene Kette fügte, und einen Lehnstuhl. Auch die Stadt
Volkmarsen hatte eine Ehrengabe, bestehend in einem wertvollen
Tafelaufsatze, überreichen lassen. Ferner waren gegen 200
Glückwunschtelegramme und schriftliche Gratulationen eingegangen. An die
Feier schloss sich ein Festessen, bei dem sich noch in erhöhtem Maße zeigte,
welcher Wertschätzung sich der Jubilar zu erfreuen hat und bei welchem sich
eine selten zu beobachtende Harmonie zwischen den drei in Volkmarsen
vertretenen Konfessionen kundgab. Halten doch die katholischen Bürger, an
ihrer Spitze Herr Pfarrer Delmhorst und Herr Bürgermeister von
Germeten, sich wegen der Fasten(zeit) erst vom Herrn Bischof eigens
Dispens erteilen lassen, um die Beteiligung am Festmahle zu ermöglichen.
Über 70 Teilnehmer hatten sich eingefunden, und es herrschte eine durch
heitere und ernste Reden hervorgerufene gehobene Stimmung. Von den vielen
Trinksprüchen seien erwähnt der vom Herrn Landrabbiner ausgebrachte Toast
auf den Kaiser sowie die der Herren Pfarrer Fürer auf den Jubilar,
des Herrn Lehrer Krause auf die greise Gattin, des Herrn Gutkind
auf Stadt und Synagogengemeinde Volkmarsen, des Herrn Amram auf die
drei anwesenden Geistlichen als Vertreter der drei hier so friedlich
vereinigten Konfessionen, sowie der Herren Pfarrer Delmhorst und
Bürgermeister von Germeten auf die wahre Toleranz, die in Volkmarsen
von allen Bekenntnissen geübt werde." |
Lehrer Joseph Wertheim tritt in den Ruhestand (1909)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 30. September 1909: "Warburg.
Am 1. Oktober dieses Jahres tritt der in unserer Nachbarstadt Volkmarsen
schon seit dem Jahre 1866 amtierende Lehrer Wertheim in den wohlverdienten
Ruhestand. Wertheim hat es meisterhaft verstanden, sich durch feine
Pflichttreue das Vertrauen seiner vorgesetzten Behörde im höchstem Maße zu
erwerben. Sein populäres, freundliches, charakterfestes Wesen und seine
Hilfsbereitschaft, die er besonders gegen Arme und Ratsuchende gar häufig
betätigte, haben ihm in den Herzen der hiesigen Mitbürger, ohne Unterschied
der Konfession, die ihn allgemein liebten, ehrten und schätzten, ein
dauerndes Andenken gesetzt. Derselbe siedelt nach
Frankenberg über. Möge ihm dort an
der Seite seiner Gattin ein noch langer, froher und glücklicher Lebensabend
vergönnt sein." |
Goldene Hochzeit von Lehrer Joseph Wertheim und seiner
Frau Jettchen geb. Abt (1913)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. September
1913: "Frankenberg (Kurhessen). Am 2. September feierte der
emeritierte israelitische Lehrer Joseph Wertheim mit seiner Gattin
Jettchen geb. Abt das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Beide erfreuen
sich noch einer besonderen körperlichen und auch geistigen
Frische.
Lehrer Wertheim ist eine in Lehrerkreisen sehr geschätzte Persönlichkeit.
Er kann auf eine fast 52-jährige segensreiche Amtstätigkeit
zurückblicken, wovon 8 Jahre auf Beiseförth
von 1858-1866 und 43 Jahre auf Volkmarsen von 1866-1909 entfallen. Bei
seinem Dienstaustritt wurde ihm der Adler der Inhaber des
Hohenzollern'schen Hausordens verliehen. Das Jubelpaar hat es verstanden,
durch sein loyales, menschenfreundliches Wesen sich die allgemeine
Wertschätzung zu erringen, was sich in geradezu hervorragender Weise bei
seinem 50-jährigen Amtsjubiläum gezeigt hat." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. September
1913: "Frankenberg, 29. August (1913). Am 2. September feiern
der Lehrer a.D. Joseph Wertheim und Frau Jettchen geb. Abt das schöne
Fest der goldenen Hochzeit. Die Jubilare erfreuen sich der besten
körperlichen Rüstigkeit und geistigen Frische. Lehrer Wertheim stand 50
Jahre segensreich im kurhessischen öffentlichen Schuldienste; 7 Jahre in Beiseförth
und 43 Jahre in Volkmarsen. Unter großer Anteilnahme der
Bürgerschaft, der hessischen Lehrerschaft, auch zahlreicher Schüler und
Schülerinnen, die von nah und fern herbeigeeilt waren, wurde vor drei
Jahren in der Gemeinde Volkmarsen das 50-jährige Dienstjubiläum
feierlichst begangen: der König verlieh ihm den Adlerorden. Lehrer
Wertheim war auch Mitbegründer der hessischen
Lehrerkonferenz." |
Zum Tod von Jettchen Wertheim geb. Abt, Frau von Lehrer Joseph Wertheim (1914)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Dezember
1914: "Volkmarsen (Regierungsbezirk Kassel). Eine
verehrungswürdige Frau ist am 30. Cheschwon (es gab im Jahr
1914 nur den 29. Cheschwan = 18. November 1914) hier zu Grabe getragen
worden. Frau Jettchen Wertheim, geborene Abt, Ehefrau des Lehrers a.D.
Joseph Wertheim, an dessen Seite ihr 51 Jahre zu leben und als Esches-Chajil
(wackere Frau) zu wirken vergönnt gewesen war, wurde hier, wo sie 41
Jahre ihres Lebens verbracht hatte, zur ewigen Ruhe geleitet.
In Hannoversch-Münden, wo sie bei ihrem Sohne (sc. Theodor, s.o.) zu Besuch weilte, hat sie
plötzlich der Tod dem trauten Familienkreise entrissen. Dort gab Lehrer Schwahm - Dransfeld der tiefen Trauer Ausdruck, die alle jetzt erfüllt,
die ihr im Leben nahe gestanden: ihr Mann, ihre Kinder und Enkel. Ihr Mann
über alles. Könnte man die Sorgen, die Mühen, die Liebestaten
nachrechnen, die sie dem Gatten geweiht hat, als sein Kamerad, sein Arzt,
als seine Priesterin, - die Endsumme würde Legion. Sie und ihr Mann, das
war eine Welt für sich, gefüllt, besonnt und bestrahlt von Vertrauen,
Liebe und Gebefreude. - Und dann kamen die Kinder und die Enkel, wie
dachte sie an sie - sann sie darauf, sie zu betreuen und zu erfreuen. So
ward ihr ihr Haus zum Schloss, ihr Mann zum Fürsten drin, ihre Kinder zu
Prinzen und Prinzessinnen, weil sie das Leben liebte und ihm gar Schönes
abzugewinnen verstand. Und wie strahlte sie allwöchentlich, wenn der
Schabbos einzog. 'Der liebe gut Schabbos' waren fast jedes Mal Worte, mit
denen sie ihre Kinder auf das köstliche Geschenk hinwies, das uns Gott
gegeben und jedem einschärfte, den Schabbos nie preiszugeben. So blieb
sie jung, auch im höheren Alter, stark und fest bis zum 73. Geburtstag,
der dem Todestag vorausgegangen.
Hier in Volkmarsen hatte man die Bahre ins Lehrerhaus gebracht, wo
Lehrer Rosenbaum, Zierenberg, der
Verklärten tief empfundene Abschiedsworte widmete.
Am Grab sprach sodann Lehrer Stern aus Volkmarsen und gedachte
nochmals der edlen Tugenden, des religiösen Sinnes und der vielen
Liebesgaben, die die Dahingeschiedene den Armen und Hungrigen gespendet.
Stirbt der Fromme, so stirbt er seinem Zeitalter, und eine wahrhaft Fromme
war sie, deren Andenken unvergesslich bleiben wird.
Das große Gefolge gab beredtes Zeugnis von der Liebe und Verehrung, deren
sich die Verstorbene in weiten Kreisen der Orts- und Nachbarbevölkerung
erfreute." |
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links ähnlicher Artikel wie oben, in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 11. Dezember 1914.
Weitere Artikel erschienen in "Der Gemeindebote" vom 11. Dezember 1914 und
im "Israelitischen Familienblatt" vom 21. Januar 1915. |
Zum Tod von Lehrer Josef Wertheim (1917)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Februar 1917:
"Volkmarsen, 2. Februar (1917). Am 24. vorigen Monats wurde
hier der Nestor der israelitischen Lehrerschaft der Provinz Hessen, unser
ehrwürdiger Lehrer Herr Josef Wertheim, im 78. Lebensjahre zu Grabe
getragen. Über 46 Jahre wirkte er segensreich in unserer Gemeinde und
vorher acht Jahre in Beiseförth.
Drei Generationen von Schülern hat er herangebildet und unserer Gemeinde
in Treue mit klugem Rat und allzeit bereiter Tat zur Verfügung gestanden.
Zu den Füßen von Rabbi Mordechai Wetzlar seligen Andenkens in Gudensberg
- seinem Geburtsort - hat er gelernt. Seine Kinder hat er im Verein mit
einer liebevollen, verständnisreichen Gattin zu wackeren Juden erzogen.
Was er in unserer Gemeinde geleistet, den Kleinen und den Großen, fünf
Jahrzehnte lang, das wird ihm nie vergessen werden. Einer seltenen Wertschätzung
und Verehrung erfreute sich der Heimgegangene in der gesamten
Bürgerschaft, die ihn anlässlich seines goldenen Jubiläums im Jahre
1908 in hohem Maße ehrte. Das bewies auch das große Trauergefolge. Auch
die Stadt beklagt einen der besten ihrer Männer. In den letzten Jahren
hatte er den Schmerz, die geliebte Gattin, einen erwachsenen Sohn, Lehrer
in Neustadt, und einen Schwiegersohn, Lehrer Levy in Dresden, zu
verlieren. Sein Gottvertrauen hielt ihn hoch und geistesfrisch bis in die
letzten Lebenstage. An seinem Grabe sprachen Lehrer Flörsheim
(Wolfhagen) namens der Verwandten Worte des Dankes und des Abschieds,
ferner Herr Gottfried Goldschmidt (Halberstadt) und zuletzt der Sohn Herr
Lehrer Wertheim aus Hannoversch-Münden. Januach beschalom - er ruhe in
Frieden." |
Die Tochter von Lehrer Josef Wertheim - Helene Marx
geb. Wertheim - feiert in Frankenberg
ihre Silberne Hochzeit (1929)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 21. Juni 1929: "Frankenberg
a. Eder. Geschäfts- und Ehejubiläum. Am 14. Juni beging das
Manufaktur- und Modewarengeschäft von Salli Marx, Bahnhofstraße, das
Jubiläum seines 25-jährigen Bestehens. Aus kleinen Anfängen heraus hat
sich das im Jahre 1904 gegründete Geschäft ständig ausgedehnt und sind
die Geschäftsräume durch modernen Anbau erweitert und ausgestaltet zu
einem erstklassigen Geschäftshaus. Die Firma erfreut sich des besten
Rufes, Fleiß, streng reelle Geschäftsprinzipien gab die Richtlinien
hierzu. Mit dem Geschäftsjubiläum verbunden war auch das 25-jährige
Ehejubiläum des Inhabers Herrn Salli Marx und seiner wackeren Gattin
Helene geb. Wertheim, Tochter des althessischen Lehrer-Veteranen Joseph Wertheim
zu Volkmarsen. Leider konnte das Jubiläum nicht entsprechend gefeiert
werden, weil Herr Salli Marx einige Tage vorher von einem Auto überfahren
wurde und zur Zeit zu Marburg, Chirurgische Klinik, mit Arm- und Beinbruch
sich befindet." |
Lehrer Julius Buchdahl wechselt von Volkmarsen nach Unna (1912)
Anmerkung: In "Historisches Handbuch des jüdischen Gemeinschaften in Westfalen
und Lippe" heißt es im Abschnitt zu Unna S. 770 "1913/14 wird Julius Buchdahl
als Lehrer aufgeführt. Als Buchdahl 1924 in den Ruhestand trat, wurde die
Schule wegen Schülermangels aufgelöst". Unklar ist ebd. der Satz: "1905 übernahm
der zuvor in Volkmarsen tätige Lehrer Felix Buchdahl die Schule, er blieb bis
1913", da in der Zeit vor 1905 noch Josef Wertheim Lehrer in Volkmarsen war. Ob
dieser z.B. Unterstützung durch Felix Buchdahl bekam, ist bislang durch keinen
weiteren Bericht bestätigt.
Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 2. Mai 1912: "Volkmarsen. Herr
Lehrer Buchdahl ist nach Unna i. W. berufen worden; sein Nachfolger wird
Herr Lehrer Stern aus Zwesten." |
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Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 6. Juni 1912: "Berichtigung.
Aus Volkmarsen wird uns geschrieben: Der Bericht aus unserer Gemeinde
vom 2. Mai 1912 ist nicht korrekt. Herr Lehrer Stern aus
Zwesten ist nicht der Nachfolger des
nach Unna versetzten Herrn Lehrer Buchdahl, sondern die Königliche
Regierung zu Kassel hat ihm nur die Vertretung der hiesigen Lehrerstelle bis
zur Wiederbesetzung übertragen. Siegmund Alsberg,
Gemeindeältester." |
Lehrer Ferdinand Stern wechselt von Volkmarsen nach Frankenberg (1915, war 1912
bis 1914 Lehrer in Volkmarsen)
Anm.: ähnlicher Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. Januar 1915,
wo berichtet wird, dass Ferdinand Stern "nahezu drei Jahre an der
Privat-Elementarlehrerstelle in Volkmarsen tätig gewesen"
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Januar 1915: "Frankenberg,
Hessisch-Nassau, 10. Januar (1915). Die Besetzung der hiesigen
israelitischen Lehrer und Vorsängerstelle ist durch den Herrn Lehrer F.
Stern, seither an der Privat-Elementarschule zu Volkmarsen, auf
Wunsch der hiesigen Synagogen-Gemeinde durch Königliche Regierung zu
Kassel bestätigt worden. - Letzten Dienstag wurde Herr Stern durch
den Kreisschulinspektor Herrn Pfarrer Koch dahier in sein Amt eingeführt.
Andern Tags, Mittwoch, übertrug Provinzialrabbiner Dr. Munk - Marburg, den
Religionsunterricht, welcher seit Pfingsten vorigen Jahres ausgesetzt
gewesen, während die Kinder am Elementarunterricht in der christlichen,
evangelischen Stadtschule teilgenommen, in Gegenwart sämtlicher
Religionsschüler an Herrn Stern. Beim Abendgottesdienst am selben Tage
wurde Herr Stern als Vorsänger vor versammelter Gemeinde
eingeführt." |
25-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer
Ferdinand Stern (1936 in Frankenberg)
Artikel
im "Israelitischen Familienblatt" vom 30. April 1936: "Frankenberg
(Eder): Fünfundzwanzig Jahre Im Amt
Ferdinand Stern wird am 1. Mai sein 25jähriges Amtsjubiläum in aller Stille
begehen. Der Jubilar, Sohn religiöser Eltern in
Zwesten, hat sein Studium in Kassel
beendet. Vor 25 Jahren trat er seine erste Stelle in
Gemünden (Hunsrück) als
Religionslehrer an. Von 1912 bis 1914 wirkte er als Volksschullehrer in
Volkmarsen.
Seit 1918 ist Stern in der hiesigen Gemeinde im Volksschuldienst tätig.
Neben seinem verantwortungsvollen Posten gehört er dem C.V. ("Centralverein
deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" und RjF. ("Reichsbund
jüdischer Frontsoldaten") als Vorsitzender an." |
Über Lehrer Artur Auerbacher
Nach Paul Arnsberg s.Lit. Bd. II S. 330 war nach der Zeit von Lehrer Ferdinand
Stern noch ein Lehrer Artur Auerbacher als Lehrer in Volkmarsen tätig. In
jüdischen Periodika konnte bislang zu ihm und seiner Tätigkeit in Volkmarsen
kein Nachweis gefunden werden. Freilich gab es einen jüdischen Lehrer Artur
Auerbacher, zu dem verschiedene Informationen vorliegen, allerdings keine,
die dessen Zeit in Volkmarsen dokumentieren. Es ist allerdings sehr
wahrscheinlich, dass Artur Auerbacher nach seinem Studium am Lehrerseminar in
Kassel oder zwischen erster und zweiter Dienstprüfung als Lehrer und Vorbeter in
Volkmarsen tätig war, zumal kein anderer Lehrer Artur Auerbacher nachweisbar
ist.
Dieser Lehrer Artur Auerbacher ist am 17. Juni 1898 in
Kippenheim geboren als Sohn von Maier
(Wilhelm) Auerbacher und seiner Frau Frieda geb. Hoffmann. Er erlernte zunächst
den Beruf eines Kaufmanns und heiratete am 28. Dezember 1926 in
Kippenheim die Kindergärtnerin Johanna
geb. Freund aus Feudenheim (geb. 24.
September 1896). Die beiden hatten zwei Söhne: Berthold Julius (geb. 30.
November 1927 in Kippenheim) und
Herbert (geb. 21. September 1931 in Sinsheim).
Artur Auerbacher studierte im Lehrerseminar in Kassel. Von 1931 bis 1934 war er
Lehrer und Vorbeter der jüdischen Gemeinde in Sinsheim und unterrichtete als
Lehrer am Gymnasium in Sinsheim. Nachdem es
auf dem Gymnasium ab 1933 keine jüdischen Schüler mehr gab, suchte Auerbacher
eine neue Stelle und fand diese in Weinheim,
wo er von 1934 bis 1939 Lehrer und Vorbeter in der jüdischen Gemeinde war. Nach
dem Novemberpogrom 1938 kam er in das KZ Dachau, wo er am 16. Dezember 1938
entlassen wurde (Entlassungsdokument in Arolsen Archives). Ab 1939 war er
Lehrer in der jüdischen Abteilung der Grund- und Hauptschule in Mannheim
(letzter Leiter der Schule). Am 24. April 1942 wurde er zusammen mit Frau und
den Söhnen in das Ghetto Izbica deportiert. Alle wurden ermordet.
Vgl. zu Artur Auerbacher und seiner Familie
http://www.juden-in-weinheim.de/de/personen/a/auerbacher-arthur.html und
weitere Seiten (verlinkt unten).
Joseph Walk: Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918-1945
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Ergebnisse von Spendensammlungen in
der Gemeinde (1869 / 1872 / 1887)
Anmerkung: in jüdischen Gemeinden wurden regelmäßig für bestimmte Zwecke
Spenden gesammelt und die Ergebnisse immer wieder in jüdischen Periodika
veröffentlicht.
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1869 - Sammlung "zur
Unterstützung der notleidenden Glaubensgenossen in Westrussland": "Durch
Lehrer Wertheim zu Volkmarsen : gesammelt durch die Gemeindeältesten
Moses Schwarz und Jakob Katzenstein: vom hiesigen Chewra Kadischa-Verein
5 Thlr., Moses Schwarz 1 Thlr., Kreisvorsteher Hüneberg 1 Thlr., Jakob
Katzenstein 20 Sgr., Levi Meyerhoff 20 Sgr. gespendet beim Aufruf zur Thora,
Salomon Hüneberg 20 Sgr., Salomon Speyer 20 Sgr., Witwe Blumenberg 20 Sgr.,
Moses Schiff 15 Sgr., Anselm Schwarz 15 Sgr., Witwe Katzenberg 15 Sgr.,
Meyer Schwarz 10 Sgr., Juda Rosenstock 10 Sgr., Abraham Weinberg 10 Sgr.,
Meyer Isenberg 10 Sgr., Markus Schwarz 7 Sgr. 6 Pf., Isaak Schwarz 5 Sgr.,
Fräulein Röschen Meyerhof 5. Sgr., Lehrer Wertheim 15 Sgr., separat an
letzteren abgegeben von Moses Meyerhoff 20 Sgr., von dessen beiden Töchtern
Bertha und Röschen 10 Sgr., Bertha Alsberg 7 Sgr. 6 Pf, zusammen 15
Thlr. 15 Sgr. 6 Pf." |
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Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1872 - Sammlung
"zur Linderung der Hungersnot in Persien" (von Mitgliedern der Familie
Meyerhoff): "Durch L. Meyerhoff in Volkmarsen: Moses Meyerhoff 15 Sgr.,
Friederike Meyerhoff 5 Sgr., Caroline Meyerhoff 2 Sgr. 6 Pf., Meyer
Meyerhoff 7 Sgr. 6 Pf., Levy Meyerhoff 15 Sgr., zus. 1 Thlr. 15 Sgr." |
| |
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1887: Sammlung "Für
die aus Preußen ausgewiesenen russischen Glaubensbrüder. Siebzehntes
Verzeichnis.
Mannheim. S. Mainzer 10 M.
X. X. (Poststempel Durlach) 5 M.
Obbornhofen. Adolf Löb 3 M.
Rheinbach. Durch Jacob Geisel (Sammlung) 6.58 M.
Volkmarsen. Durch Lehrer Wertheim gesammelt von Adolf Wertheim:
Marius Alsberg 3, S. Hüneberg 3, J. Katzenstein 2.30, N.N. 2, Goldbart 2,
Moses Schwarz 1.50, M. Schiff 1.50, F. Blumenberg 1, Ungenannte 1, N.N. 1,
H. Rosenstock 1, N.N. 1, Julius Isenberg 1, Moses Meyerhoff 1, Fanni
Meyerhoff 1. N.N. 1, Anonym, Ploni Almoni 1, A. Schwarz 0.75, Juda
Rosenstock 0.75, Michel Meyerhoff 0.75, A. Weinberg 0.75, A. Lichtenstein
0.50, S. Stern 0.50, Markus Schwarz 0.50. Helene Wertheim 0.20, S. Nassauer
0.20, Witwe Nassau 0.20, Ungenannt 0.50, desgl. 0.10, zusammen abzüglich
Porto 31 M." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Über den Lehrer Max Hirsch - 1817/18 bei der Familie
Alsberg in Volkmarsen (Artikel von 1927)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 7. Januar 1927: aus dem Bericht über "Lehrermangel
in Kurhessen" ... "Im September 1817 bittet der jüdische
Einwohner Josua Moses Landauer aus Kassel den Kurfürsten, ihm die
Annahme eines auswärtigen Privatlehrers zum Unterricht seiner Söhne zu
gestatten. Königliche Hoheit möchte in Rücksicht auf seine besonderen
Verhältnisse eine Dispensation vom Gesetz eintreten lassen. Er werde es
sich angelegen sein lassen, von seinen Söhnen mehrere zu nützlichen
Professionisten zu erziehen.... Mehr Erfolg hatte Landauer mit
gleichem Gesuch vom Juni 1818. Er fand in dem Lehrer Max Hirsch aus
Trimbach in Unterelsass einen Helfer.
Dieser war ein Jahr im Hause der Familie Alsberg zu Volkmarsen,
'und hatte sich in jeder Hinsicht gut betragen und ihre Zufriedenheit im
vollkommensten Grade erworben.' Die Kommission fand einen anderen Ausweg.
Hirsch sei schon ein Jahr im Inlande 'und Landauer ist ein redlicher Mann,
hat eine zahlreiche Familie von acht Kindern und scheut trotz seiner
äußerst schwachen Vermögensverhältnisse keine Kosten, solche zu
künftigen brauchbaren Mitgliedern durch den nötigen Unterricht, wozu
auch die Religion gehöre, nachbereiten zu lassen'. So konnte Landauer
durch Erlaubnis des Kurfürsten vom 29.9.1818 seinen Kindern den Lehrer geben.
Die älteren Kasselaner kennen einen Sohn als Mechaniker, den anderen als
Buchbinder." |
Drillingsgeburt bei Familie Samuel Isenberg
und Verzicht der Familie auf weitere Unterstützung (1876)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1876: "Niedenstein.
In Volkmarsen, Regierungsbezirk Kassel, ist die Frau des Metzgers
S. Isenberg mit Drillingen, drei gesunden Knaben, am 14. vorigen Monats
niedergekommen. Vor ca. 1 1/2 Jahren ist dieselbe von Zwillingen entbunden
worden, die ebenfalls leben. Da die Familie Isenberg nicht mit irdischen
Gütern gesegnet, so könnte durch die Bekanntmachung in Ihrem
geschätzten Blatte wohl manche wohlhabende Frau bestimmt werden,
entsprechende Gaben an dieselbe gelangen zu
lassen." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. April 1876: "!! Zur
öffentlichen Kenntniss !!
Auf die mir bisher unbewusste Notiz vom 23. März c. Nr. 10 erwidere ich,
dass milde Gaben meinerseits nicht beansprucht noch angenommen werden und
kann ich es nur als Vorwitz von den Betreffenden, die die erwähnte Notiz
veranlasst, bezeichnen.
Samuel Isenberg, Volkmarsen.
Bezugnehmend auf Obiges bitten wir diejenigen, die uns für den betreffenden
Zweck Spenden zur Übermittelung eingesandt, darüber anderweitige Verfügung
zu treffen. Die Redaktion." |
70. Geburtstag von Regine Meyerhoff geb. Neuhahn (1927)
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 18. November 1927: "Volkmarsen. Am 20.
November begeht Frau Regine Meyerhoff geb. Neuhahn, im Kreise ihrer
Kinder in seltener geistiger und körperlicher Frische ihren 70.
Geburtstag." |
Zum 88. Geburtstag von Feist Blumenberg (1927)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1927: "Wolfhagen,
14. November (1927). Seinen 88. Geburtstag beging in bester Rüstigkeit
und Geistesfrische Herr Feist Blumenberg, der älteste Einwohner im nahen Volkmarsen,
der in der ganzen Gegend beliebt und geachtet
ist." |
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Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 11. November 1927: "Volkmarsen. Am 12.
November feiert Herr Feist Blumenberg, hier, seinen 88. Geburtstag.
Herr Blumenberg, der der älteste Einwohner Volkmarsens ist, ist bei allen
sehr beliebt und geachtet." |
85. Geburtstag von Dorothee Lieberg geb. Hüneberg
(1930 in Kassel)
Vgl. zur Genealogie der Familie Lieberg https://jinh.lima-city.de/gene/meyerhof/Genealogie_Lieberg.html.
Moritz Moses Lieberg ist am 15. August in
Wolfhagen geboren. Er heiratete am 3. Januar 1866 in Kassel Dorothee geb.
Hüneberg (geb. 21. Juli 1845 in Volkmarsen als Tochter von Heinemann Hüneberg
und seiner Frau Dina. Moritz und Dorothee Lieberg hatten vier Kinder: Julius
Lieberg (geb. 31. Dezember 1866 in Kassel, gest. 1913 in Kassel), Heinrich
L. (geb. 7. Januar 1869 ebd., gest. 1933 in Kassel), Ernestine L. (geb.
3. September 1870 ebd., verheiratete Freudenberg, gest. 1936 in Essen) und
Helene Henriette L. (geb. 15. März 1873 ebd., verheiratete Falkson, ermordet
1942 Vernichtungslager Kulmhof).
Moritz Moses Lieberg starb am 7. Februar 1900 in Kassel. Dorothea verstarb 1940
nach Angaben von
https://www.geni.com/people/Dorothea-Lieberg/6000000009752703724 (von hier
aus auch weitere Angaben zur Familie).
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und
Waldeck" vom 18. Juli 1930: "Dorothee Lieberg. Am
Montag, den 21. Juli, beging Frau Dorothee Lieberg die Feier ihres
85. Geburtstages. Die Jubilarin wurde am 21. Juli 1845 als Tochter des Kreisvorstehers
Heinemann Hüneberg in Volkmarsen geboren und erhielt ihre
Ausbildung in dem seinerzeit angesehenen Kasseler Pensionat Steinhardt. In
jugendlichem Alter vermählte sie sich mit Herrn Moritz Lieberg,
mit dem sie lange Jahre in glücklichster Ehe verbunden war. In seltener
geistiger und körperlicher Frische ist Frau Lieberg heute wie seit vielen
Jahren Oberhaupt ihrer Familie und Mittelpunkt eines zahlreichen
Freundeskreises, welcher sich gerne an ihren anregenden Erzählungen aus
alten Tagen erfreut. Möge unserer verehrten Mitbürgerin noch ein langes
gesegnetes Leben inmitten ihrer Kinder, Enkel und Urenkel beschieden
sein!" |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von M. Schiff, Manufaktur- und Modewarengeschäft (1867)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1867: "Ich suche für mein
Manufaktur- und Modewarengeschäft einen Commis, der in dieser Branche schon
gearbeitet, und gewandter Verkäufer ist. Gehalt richtet sich nach den
Leistungen und ist damit eine angenehme Stellung in der Familie verbunden.
Sabbat und Festtage geschlossen. Eintritt alsbald. Reflektanten wollen sich
mit Beifügung ihrer Zeugnisse franco an mich wenden.
Volkmarsen, in Kurhessen 20. Sept. 1867. M. Schiff." |
Bescheinigung von Landrabbiner Dr.
Adler für den Mazzenbäcker Abraham Weinberg in Volkmarsen (1878)
Anmerkung: Mazzen werden als ungesäuerte Brote vor allem zu Pessach gegessen und
müssen den Vorschriften "Koscher für Pessach" entsprechen. Vgl.
https://de.wikipedia.org/wiki/Matze
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Februar 1878: "Der Unterzeichnete
bescheinigt hierdurch, dass Herr Weinberg aus Volkmarsen mir als ein
religiöser, gewissenhafter Mann bekannt ist, so dass jeder religiöse
Israelit von ihm unbedenklich Mazzot kaufen kann. Glaubwürdige
Versicherung erteilte ihm das Zeugnis, dass er bei der Zubereitung
sorgfältig allen rituellen Vorschriften entspreche.
Zur Verhütung von Missverständnissen bemerke ich, daß auch ein
nichtjüdischer Bäcker in Volkmarsen Mazzoth anfertigt, von dem mir jedoch
nicht bekannt ist, ob Alles nach Vorschrift geschehe.
Kassel, den 10. Februar 1878.
Der Land-Rabbiner Dr. Adler.
Bezugnehmend auf vorstehende Bescheinigung halte ich mein Lager unter dem
höflichen Bemerken bestens empfohlen, dass ich nur Mazzot koscher
al pessach liefere und reell bediene.
Volkmarsen, den 20. Februar 1878. Abraham Weinberg." |
Anzeigen von Frl. Mathilde Schwarz bzw. der Geschwister Schwarz (1891 / 1901)
Anmerkung: bei Mathilde Schwarz handelt es sich wohl um die am 28. Juni 1869
in Volkmarsen geborene Mathilde Schwarz, die später in Paderborn, Coesfeld und
Düsseldorf lebte und im Juli 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert wurde,
anschließend im September1942 in das Vernichtungslager Treblinka, wo sie
ermordet wurde.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1891: "Ein junges,
tüchtiges Mädchen sucht veränderungshalber bei einer kleinen Familie oder
einzelnen Dame Stellung als Stütze und Gesellschafterin.
Mathilde Schwarz, Volkmarsen." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Oktober 1891: "Zwei junge, äußerst
tüchtige Mädchen, welche in Haushalt sowie in der feineren Küche
durchaus in allen Zweigen gründlich ausgebildet sind, suchen Stellung als
Stütze und gleichzeitig als Gesellschafterin in einer kleinen Familie oder
bei einzelner Dame.
Geschw. Schwarz, Volkmarsen." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Mai 1901: "Ein
tüchtiges gewandtes gebildetes Fräulein, welches mit sämtlichen
häuslichen Pflichten vertraut, im Kochen, Backen und dergleichen durchaus
perfekt, sowie auch gleichzeitig in allen schönen Handarbeiten und
gesellschaftlich gründlich ausgebildet ist, sucht in einer
besseren Familie als Stütze, Gesellschafterin oder bei feineren Herrn als
Repräsentantin sofortiges Engagement. Briefe erbeten an
Frl. M. Schwarz, Volkmarsen bei Kassel." |
Anzeige von S. Nassau - Stellensuche
für seine Tochter (1893)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Februar 1893: "Suche für
meine Tochter, 15 Jahre alt, per 15. März eine Stelle in einem
Manufakturwaren-Geschäft, wo dieselbe auch Gelegenheit hat, den Haushalt zu
erlernen. Auch nimmt dieselbe eine Stelle an, in der sie nur den Haushalt
erlernt.
S. Nassau, Volkmarsen". |
Anzeige von Hermann Rosenstock -
Stellensuche für seine Tochter (1894)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1894: "Für meine
16-jährige Tochter, suche in einer feinen Familie Stellung zur Erlernung des
Haushaltes.
Familienanschluss erwünscht.
Herm. Rosenstock, Volkmarsen". |
Anzeige von Tilly Schwarz (1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1902:
"Junge, weltgewandte heitere Hausdame, äußerst tüchtig,
sucht selbstständiges Engagement. Einzelner Herr bevorzugt.
Tilly Schwarz, Volkmarsen bei Kassel." |
Anzeigen der Mazzenbäckerei Aron
Lichtenstein (1903 / 1905)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 12. März 1903: "Mazzotbäckerei A.
Lichtenstein
empfehle Mazzoth, welche unter dem strengsten Ritus gebacken werden, 11
Pfund für 3 Mark, in hochfeiner Qualität.
Volkmarsen, Reg.-Bez. Kassel." |
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Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 26. Januar 1905: "Prima Mazzot,
welche unter strengster Aufsicht gebacken werden, 10 Pfd. für 3 Mark franko
nach all. Bahnstationen liefert
A. Lichtenstein Volkmarsen bei Cassel.
Auch werden Agenten gegen hohe Provision gesucht." |
Verlobungsanzeige für Helene
Wertheim und Sally Marx (1903)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 12. November 1903: "Statt besonderer
Mitteilung.
Helene Wertheim - Sally Marx
Verlobte
Volkmarsen (Bezirk Kassel) -
Frankenberg (Hessen). " |
Anzeige von Louis Nassau (1907)
Anzeige
im "Israelitischen Familienblatt" vom 31. Januar 1907: "Suche für meine
Schwester, welche gut bürgerlich kochen kann und den Haushalt gründlich
versteht zum 1. März Stellung in einem rituellen Hause zur Stütze der
Hausfrau mit Familien-Anschluss
Louis Nassau, Volkmarsen." |
Anzeige von L.M. Alsberg, Getreide-
und gemischtes Warengeschäft (1915)
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 28. Januar 1915: "Für mein
Getreide- u. gemischtes Warengeschäft suche per sofort oder später einen
tüchtigen
jungen Mann
sowie einen
Lehrling mit guten Schulkenntnissen.
L.M. Alsberg, Volkmarsen." |
Zum Tod des Gemeindevorstehers Salomon Hamberg
(1926)
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 6. März 1926:
"Volkmarsen. (Heimgang des Gemeindevorstehers). Unsere
Gemeinde beklagt den Heimgang ihres ersten Vorstehers Salomon Hamberg, der
im 69. Lebensjahre aus einem arbeitsreichen Wirken in die Ewigkeit abberufen
wurde. Der Gemeindeinteressen hat sich der Verewigte mit seltener Treue
und Hingabe angenommen, sodass sein Name mit der Geschichte der Gemeinde
unzertrennlich verbunden ist. Der Dank aller folgt ihm über das Grab
hinaus." |
Nachkommen von David Schiff aus
Volkmarsen in Nordamerika gesucht (1938)
Anmerkung: solche Suchanzeigen gab es nach 1933 häufig in der Hoffnung auf
Erlangung eines "Affidavit"
https://de.wikipedia.org/wiki/Affidavit: Familienangehörige, Freunde und
qualifizierte Organisationen in Staaten außerhalb Deutschlands konnten mit einer
beglaubigten Bürgschaftserklärung Verfolgten die Einreise in die USA (und andere
Länder) ermöglichen. Auf diese Weise war eine Emigration möglich.
Suchanzeige
in der "Jüdischen Rundschau" vom 10. Juni 1938: "Nr. 447. David Goldberg aus
Wöbbel (Lippe) und dessen Ehefrau, geb. Wallach aus Kassel, sowie deren
Nachkommen; David Schiff aus Volkmarsen bei Warburg, ausgewandert
nach Nordamerika, werden gesucht von Frau Mathilde Rosenberg geb. Weinberg
aus Blomberg, Essen, Schnutenhausstraße 63" |
Suchanzeige für Julius Hamberg aus
Volkmarsen (1953)
Anzeige
im "MB Mitteilungsblatt des Irgun Olej Merkas Europa" vom 17. Juni 1953: "SUCHNOTIZ
Gesucht wird: Mr. Julius Hamberg, geb. am 11.5.1887 in Volkmarsen Kr.
Wolfhagen (Hessen) früher wohnhaft in Tel-Aviv, Ibn Gabirolstr. 47 — Meldung
nur schriftlich unter A 8581 an United Restitution Office, Tel-Aviv,
Hajarkonstr. 49, P.O.B. 1480." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser
vorhanden.
Eine Synagoge konnte vermutlich noch vor der Mitte des 19.
Jahrhunderts erstellt werden. Erbaut wurde ein zweigeschossiges Fachwerkhaus
mit einem Satteldach.
In einem Artikel aus jüdischen Periodika erfährt man über
einen Einrichtungsgegenstand in der Synagoge:
Beschneidungsbank aus der Synagoge in Volkmarsen
(Artikel von 1929)
Artikel in der Zeitschrift "Der Morgen"
von 1929 S. 18: "Beschneidungsbank aus der Synagoge Volkmarsen.
Die Bestimmung ergibt die Inschrift. Über dem linken Platz - der rechte
dient dem Gevatter zum Sitzen - stehen die Worte: 'dies ist der Thron des
Propheten Elijahu, dessen zum Guten gedacht sei!' Wie bei dem
Erinnerungsmahl an die Befreiung aus dem Diensthause Ägyptens ein Platz
am Tische freigehalten wird für den Propheten Elijahu, so wird auch hier
für jenen schicksalsschwangeren Moment, in dem über einem neuen Gliede
der alten Gemeinschaft das 'Gesegnet, der da kommt' gesprochen wird, in
ewiger Spannung auf den erbetenen Anbruch der Erlösung ein Platz
freigehalten für den ersehnten Vorläufer des Messias. Rechts und
darunter haben die Eltern, die die Bank stifteten, Namen und Jahr
angegeben; das Jahr chronogrammatisch verhüllt in dem frommen Spruch:
'die Gelübde des Herrn will ich erfüllen'. Die Auflösung ergibt 1791
oder 1821. Obwohl grade Hessen-Kassel eine Einfallspforte sowohl für den
englischen Klassizismus wie für die englische historische Gotik in
Deutschland ist (von denen beiden etwas in der Zeichnung drinsteckt), so
scheint mir doch die steife Schmächtigkeit der Formen das frühere Datum
für das Bänklein auszuschließen". |
Abbildung
links wie oben. |
Sommer 1938: einer der letzten
Gottesdienste in der Synagoge
Mitteilung
im "Israelitischen Familienblatt" vom 11. August 1938: "Volkmarsen
(Kr. Wolfhagen). Im Rahmen des 'Jüdisch-Religiösen Kulturwerks für
Hessen-Nassau' hielt Lehrer Nagel (Kassel) einen Predigtgottesdienst
ab, an dem sämtliche Gemeindemitglieder teilnahmen. Die jüdische Gemeinde
besteht nur noch aus 20 Seelen." |
Beim Novemberpogrom 1938 blieb das Synagogengebäude äußerlich
unbeschädigt. 1948 wurde das Gebäude von den Nachbesitzern zu einem
Wohnhaus umbauen. Dabei verschwanden die bisherigen Merkmale des
Synagogengebäudes. Eine Kuppel wurde angeblich entfernt und statt dessen eine
Dachgaube gesetzt. Das ehemalige Synagogengebäude ist bis zur Gegenwart, wenn
auch inzwischen mehrfach umgebaut und modernisiert, als Wohnhaus
erhalten.
Adresse/Standort der Synagoge: Baustraße
11
Fotos
(sw-Fotos und Plan aus Altaras s.Lit.)
Das Gebäude
der ehemaligen Synagoge
(Januar 1985) |
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Blick auf das
Gebäude von Südosten |
Teil der Traufseite, vom
Hof gesehen |
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Das Gebäude der ehemaligen
Synagoge
(März 2016) |
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Das Vordergebäude Baustraße
11 |
Das Hintergebäude (wie
oben) |
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| Plan des rituellen
Bades |
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Fotodokument aus der
jüdischen Geschichte
(Quelle: Encyclopedia of Jewish Life s.Lit.
Bd. III S. 536) |
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Ein Rind auf dem Weg zur
Schechita |
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| Haus Kasseler
Straße 6: Domizil des Vereins "Rückblende - Gegen das
Vergessen" - Zentrum der Erinnerungsarbeit vor Ort |
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Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
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1994 / 1996 / 1997:
Kontaktaufnahme mit früheren
jüdischen Einwohnern aus Volkmarsen und deren Nachkommen sowie Einladungen
in die frühere Heimat |
Anzeige
im "MB Mitteilungsblatt des Irgun Olej Merkas Europa" Nr. 104 vom Dezember
1994 S. 8: "Spät, aber doch beginnen wir in Volkmarsen/Nordhessen uns mit
der Geschichte der Juden in unserer Stadt zu beschäftigen. Wir würden uns
freuen, wenn noch lebende jüdische Bürger aus Volkmarsen, bzw. deren Kinder,
mit uns in Kontakt treten würden, damit wir uns unserer Geschichte stellen
können. Bitte melden Sie sich bei: Ernst Klein, Benfelder Str. 21, D-34471
Volksmarsen." |
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Anzeige
im "MB Mitteilungsblatt des Irgun Olej Merkas Europa" vom März-Mai 1997 S.
12: "Mitglieder (oder deren Nachkommen) der ehemaligen jüdischen Gemeinden
Volkmarsen. Breuna und Wolfshagen (Nordhessen) werden gebeten, mit dem
Arbeitskreis 'Rückblende gegen das Vergessen', Beufelder Str. 21, D-34471
Volkmarsen, Kontakt aufzunehmen. Nachdem eine Gruppe von 28 früheren
jüdischen Einwohnern dieser Orte im Mai 1996 dort zu Besuch war, ist eine
zusätzliche Begegnung für das Jahr 1997 geplant." |
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| Januar 2009:
Ernst und Brigitte Klein
vom Verein "Rückblende - Gegen das Vergessen" erhalten den
Obermayer German Jewish History Award |
Artikel in hr-online.de vom 27. Januar 2009
(Artikel)
Wichtiger deutsch-jüdischer Geschichtspreis - Drei Nordhessen für Engagement ausgezeichnet
Der Holocaustgedenktag 2009 wird drei Nordhessen besonders stark im Gedächtnis bleiben: Im Bundestag erhalten Michael Dorhs aus
Hofgeismar und das Ehepaar Klein aus Volkmarsen den "Obermayer German Jewish History
Award", weil sie sich für den Erhalt der lokalen jüdischen Geschichte engagieren.
Der evangelische Theologe Michael Dorhs engagiert sich seit seinen Studienjahren gegen das Vergessen: Damals half er beim Aufbau einer Abteilung für jüdische Geschichte im Museum Hofgeismar. Nur 20 Bücher konnten gefunden werden. Dorhs schaltete weltweit Anzeigen, in denen er Holocaust-Überlebende und die Nachkommen ehemals jüdischer Bürger aus der Region Nordhessen bat, sich mit ihm in Verbindung zu setzen und ihre Geschichte zu erzählen.
Heute, nach fast 30 Jahren. liegen Dutzende von Artikeln und sieben Bücher zur lokalen jüdischen Geschichte vor, die Dorhs publiziert hat. "Ich möchte, dass deutsche Nichtjuden das Judentum als einen Teil und eine Wurzel unserer eigenen Religion, unserer Kultur wahrnehmen. Das ist nicht ihre Geschichte, es ist auch unsere Geschichte", so Dorhs (48). Neben der sorgfältig zusammengetragenen umfangreichen Sammlung von Daten, persönlichen Gegenständen, Fotos und Dokumenten hat Dorhs im Stadtmuseum Hofgeismar einen Raum eingerichtet, in dem eine große Zeittafel die Schicksale der ehemaligen jüdischen Bürger der Region dokumentiert.
Ernst und Brigitte Klein, Volkmarsen. Seit 1985 hat sich das Ehepaar Klein für den Aufbau von deutsch-jüdischen Beziehungen engagiert. Sie gründeten zusammen mit Interessierten den gemeinnützigen Verein "Rückblende – Gegen das Vergessen e.V." Die engagierten Bürger stellten den jüdischen Friedhof der Stadt wieder her und bauten ein Informationszentrum zur jüdischen Geschichte auf. Als Hauptaufgabe ihrer Arbeit sehen sie aber die Suche nach Angehörigen ehemaliger Volkmarser Juden an. Daraus haben sich schon enge Verbindungen ergeben. Seit 1996 besuchen jüdische Familien aus aller Welt, von Australien bis Israel, von Seattle bis New York auf Initiative des Vereins die nordhessische Stadt. Während dieser Begegnungswochen sind die Besucher privat untergebracht. Freundschaften sind entstanden und vor allem - Gesichten sind erzählt worden, die vorher keiner auch nur erahnte.
Heute hat der Verein mit seinen über 125 Mitglieder in 30 Orten der Region viel erreicht: Der Eingang des Volkmarser jüdischen Friedhofs, auf dem die Nationalsozialisten im Krieg 118 Grabsteine zerstört hatten, ist neu gestaltet, eine 18 Meter lange Gedenkmauer erinnert an die während der Shoah ums Leben gekommenen Juden.
Ernst und Brigitte Klein halfen bei Einrichtung einer Geschichtswerkstatt zum Thema der Volkmarser Juden, in der eine Ständige Ausstellung Dokumente und Geschichten von Überlebenden zeigt. Sie sind für ihre Arbeit schon geehrt worden: Im November 2008 erhielten beide die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und Ernst Klein das Verdienstkreuz am Bande.
Die Auszeichnung. Mit dem "German Jewish History Award" werden Deutsche geehrt, die aus eigener Initiative herausragende Beiträge zur Dokumentation jüdischer Geschichte und Kultur in Deutschland leisten. Die Auszeichnung trägt den Namen des jüdischen Geschäftsmannes Arthur Obermayer, dessen Eltern in den 30er Jahren aus Deutschland in die USA auswanderten. Mit seiner in den USA angesiedelten Stiftung will Obermayer das Ansehen der Deutschen im Ausland verbessern. Der Preis ist dotiert, über die Höhe macht die Obermayer-Foundation keine Angaben. An dem Festakt im Plenarsaal des Berliner Abgeordnetenhauses nimmt auch der Unternehmer und Präsident der Stiftung, Arthur Obermayer, teil.
Neben Michael Dorhs und dem Ehepaar Klein werden 2009 Hans-Dieter Arntz (Euskirchen), Klaus Dietermann (Netphen) und Bernhard Gelderblom (Hameln) ausgezeichnet. |
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| November 2013:
Ehemalige jüdische Ritualbad (Mikwe) wurde in
Volkmarsen entdeckt |
Im Haus Steinweg 24 (Foto links, Foto vom 30.3.2016) wurde eine Mikwe aus der Zeit des 16./18. Jahrhunderts
entdeckt. Dazu Presseartikel:
Artikel vom 13. Dezember 2013 in der HNA.de: "Mit bloßen Händen
gegraben. Einzigartiges jüdisches Ritualbad in Volkmarsen entdeckt..."
Link
zum Artikel
Artikel von Ernst Klein: Die wiederentdeckte Mikwe in Volkmarsen, ein
einzigartiges Fund im Jahr 2013..."
Link
zum Artikel |
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| Juli 2014:
Straßenbenennung nach Lucas Alsberg |
Im Juli 2014 wurde ein Geh- und Radweg auf dem alten Bahndamm als
"Lucas-Alsberg-Allee" benannt. Eine Hinweistafel
informiert über den früheren jüdischen Einwohner der Stadt: "Lucas
Samuel Alsberg lebte von 1782 bis 1845 als Kaufmann in Volkmarsen. Als im
Jahr 1814 durchziehende Truppen von der völlig verarmten Stadt 475
Reichstaler Verpflegungsgeld forderten und bei Nichtzahlung mit schwersten
Strafmassnahmen drohten, stellte Lucas Alsberg 500 Reichstaler aus seinem
Vermögen zur Verfügung und bewahrte so die Stadt vor der
Verwüstung". |
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Juni 2019:
Das Gustav-Hüneberg-Haus als
Dokumentationszentrum über jüdisches Leben in der Region wurde eröffnet
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Artikel von Armin Haß in der "Waldeckischen
Landeszeitung" vom 15. Juni 2019: "Gustav Hüneberg-Haus öffnet sich als
Dokumentationszentrum. In Volkmarsen Wissen über das jüdische Leben in der
Region vertiefen
Volkmarsen – Jüdisches Leben in der Region, die Verfolgung der Juden und
Begegnungen viele Jahre nach der Shoa werden im Gustav Hüneberg-Haus am
Steinweg Volkmarsen dargestellt. Die Fertigstellung wird mit zwei
Festveranstaltungen am 19. und 23. Juni in dem mittelalterlichen Gebäude
gefeiert.
'Eine Vision wird Wirklichkeit', schreibt der Vorstand des Vereins
'Rückblende - Gegen das Vergessen' in seiner Einladung an die Bürger.
Mithilfe von Eigenmitteln, Zuschüssen, großzügigen Spenden und Krediten ist
es gelungen, das Gebäude in der Altstadt zu erwerben und so umzugestalten,
dass es auf drei Etagen wechselnde Ausstellungen sowie die Gelegenheit zur
Forschung und zu Vorträgen zum Thema Jüdisches Leben bietet. Im Keller wird
die im wahrsten Sinne tiefe Verankerung des Judentums in der vom
Katholizismus geprägten Kugelsburgstadt bezeugt: Die Entdeckung des über 500
Jahre alten jüdischen Ritualbades (Mikwe) bot den Anlass für den Verein,
sich um den Erwerb des zum Verkauf stehenden Gebäudes zu bemühen. So bietet
sich die Möglichkeit für den Besuch der gut erhaltenen Mikwe und für das
'Eintauchen' in das jüdische Leben. Der neue Außenanstrich lässt das
verputzte Fachwerkgebäude aus der Häuserzeile des Steinwegs leuchten.
Hinten, von der Fischertrift her, bietet sich ein neuer Zugang mit
Parkmöglichkeit und der Anblick in ein grünes Idyll.
Das ist noch geplant. Innen wurde tüchtig saniert. Für das Lese-Café
ist noch ein Medienturm geplant, der über Bildschirm und Leinwand Bilder und
Videos über die Mikwe und die Ausstellungen im Obergeschoss zeigt und somit
auch Gehbehinderten einen Einblick ermöglicht. Inzwischen liegt schon die
Baugenehmigung für einen Aufzugsturm vor, über den zwei Obergeschosse
erschlossen werden können. Allein, es fehlt noch das Geld dafür. Immerhin
sind inzwischen 210 000 Euro für den Kauf und weitere 120 000 Euro für die
Sanierung und den Umbau aufgebracht worden. Hinter dem Verein Rückblende
stehen allein 200 Mitglieder aus dem Waldecker, Kasseler und Warburger Land.
In einem Vortrag der um 16.30 Uhr beginnenden Festveranstaltung am 19. Juni
wird Prof. Dr. Dietfrid Krause-Vilmar, Kassel, unter dem Motto 'Ihre Stimmen
erhalten' aufzeigen, wie und wo in Nordhessen die Erinnerung an jüdisches
Leben bewahrt wird. Um 15.30 Uhr kann das Haus bereits besichtigt werden. Am
Sonntag, 23. Juni, wird um 11 Uhr die Journalistin Daniela Schadt, Berlin,
zu einer Ansprache erwartet. Die Lebensgefährtin des früheren
Bundespräsidentin Joachim Gauck war bereits im Januar 2017 zu Besuch in
Volkmarsen. Jüdisches Leben spiegelt sich anschließend in dem musikalischen
Teil des Festes wider: Dann wird das Ehepaar Renate und Roland Häusler
Lieder aus fünf Jahrhunderten vortragen. 'Musikalische Begegnungen' ist der
musikalische Beitrag von Renate Walprecht und Anne Petrossow betitelt.
Das Dokumentations- und Informationszentrum zur jüdischen Regionalgeschichte
im Mikwe-Haus wurde nach dem jüdischen Stadtverordneten Gustav Hüneberg
benannt. 1808 gehörte Volkmarsen zum Königreich Westphalen, wo Napoleons
Bruder Jerôme als König regierte. Er verfügte, dass alle Juden in seinem
Reich Nachnamen zugewiesen bekamen.
Der Namenspatron. Im Volkmarser Rathaus konnten sich die Juden ihre
Namen anders als anderswo selber aussuchen dürfen, wie
Rückblende-Vorsitzender Ernst Klein berichtet. In Listen von damals sei
nachzulesen, dass der Bürger Josef Jakob den Namen Hüneberg wählte,
abgeleitet von einem der Hügel bei Volkmarsen. Die Kaufmannsfamilie Hüneberg
habe den Turnverein mitgegründet und die Stadtpolitik mitgestaltet. Die
Familie habe lange in diesem Mikwe-Haus im Steinweg gewohnt. Erst Mitte der
1930-er Jahre fänden sich Unterlagen, die belegten, dass die Familie
angefeindet wurde. Angeblich sei es unerträglich, dass ein Jude mit Getreide
handele, wurde damals erklärt.
Anfeindungen. Die Bürger wünschten sich ein 'christliches
Getreidegeschäft', hieß es in einem amtlichen Schriftstück aus der
Nazi-Zeit, aus dem Klein zitierte. In Erinnerung an Gustav Hüneberg, der 17
Jahre Stadtverordneter von Volkmarsen war und 1931 auf dem jüdischen
Friedhof beigesetzt wurde, bekam das Zentrum seinen Namen. Das Gustav
Hüneberg-Haus kann jeden ersten und dritten Sonntag eines Monats von 14 bis
17 Uhr besichtigt werden. Termine für Gruppen können darüber hinaus bei
Ernst Klein, Vorsitzender des Vereins Rückblende, unter der Rufnummer
05693/469 vereinbart werden.
Helfer gesucht. Klein hofft, dass sich noch weitere Helfer melden,
die nach entsprechender Einweisung das Team der Museumsführer von acht bis
zehn Männern und Frauen ergänzen und damit die Arbeit unterstützen."
Link zum Artikel |
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Artikel von Armin Haß in der Waldeckischen
Landeszeitung vom 23. Juni 2019: "Gustav-Hüneberg-Haus eingeweiht.
Einzigartiges Denkmal in Volkmarsen spiegelt jüdisches Leben wider
Volkmarsen – Wir brauchen feste Orte der Erinnerung', betonte der
Kasseler Historiker Prof. Dr. Dietfrid Krause-Vilmar zur Eröffnung des
Bildungszentrums Gustav-Hüneberg-Haus in Volkmarsen über jüdisches Leben und
die Verfolgung und Ermordung der Juden in der NS-Zeit.
Die Stühle reichten für die Einweihungsfeier nicht aus: An zwei Tagen war
das vom Verein Rückblende erworbene und umgestaltete Wohnhaus mit der 500
Jahre alten Mikwe (jüdisches Ritualbad) Ziel von Besuchern und Ehrengästen.
Darunter auch die Lebensgefährtin des früheren Bundespräsidenten, Daniela
Schadt.
Hervorragende Voraussetzungen. Die historische und politische Bildung
in Hessen habe einen weiteren Standort erhalten, sagte Krause-Vilmar. Mitten
in Volkmarsen seien hervorragende Voraussetzungen für die Kultur der
Erinnerung geschaffen worden, 'die uns mahnt, gegen Verfolgung und Hass
einzutreten. Zudem werde ein Ort geschaffen, der Verfolgten oder ihren
Angehörigen die Rückkehr erleichtern könne. Es sei wichtig, die Stimmen der
gedemütigten und verfolgten Menschen dauerhaft wieder hörbar zu machen. Es
seien Nachbarn und angesehene Menschen gewesen, die die Nazis für immer
verstummen lassen wollten, indem sie zur Auswanderung zwangen, deportierten
und ermordeten, wie Krause-Vilmar deutlich machte. Auch wenn von einem Ende
der Zeitzeugen gesprochen werde, so gebe es doch die Erinnerungen an sie und
die Beziehungen auch zu den folgenden Generationen.
Wichtiges Etappenziel. 'Wir haben ein wichtiges Etappenziel
erreicht', sagte der Vorsitzendes des Vereins Rückblende, Ernst Klein. Er
bat die Politik, die Einrichtung dauerhaft zu unterstützen. Land, Landkreis,
Stadt und viele Spender hätten ermöglicht, das Haus mit dem jüdischen
Ritualbad zu erwerben und neu zu gestalten als Stätte der Begegnung und der
pädagogischen Arbeit mit Schülern.
Erinnerungsarbeit. Auch die Stadt Volkmarsen habe sich an jüdischem
Eigentum bereichert, sagte Klein ergänzend bei der gestrigen Einweihung.
Leider habe es zu wenige honorige Bürger gegeben, die den bedrängten Juden
geholfen hätten, erklärte er in Gegenwart unter anderem vom Ersten Stadtrat
Thomas Viesehon sowie der Landtagsabgeordneten Daniel May (Bündnis 90/Die
Grünen) und Claudia Papst-Dippel (AfD). Für die Juden aus der ehemaligen
Sowjetunion sei die Erinnerungsarbeit besonders wichtig, sagte Ilana Katz
von der Jüdischen Gemeinde in Kassel. Hier werde ein Zeichen der Solidarität
gesetzt. Klein und sein Verein hätten die Gemeinde unterstützt bei der
Schaffung einer neuen Synagoge in Kassel oder der Integration der jüdischen
Kontingentflüchtlinge aus der früheren UdSSR, die in Volkmarsen früher
Abiturkurse absolvierten. Juden hätten in Deutschland ein neues Zuhause
gefunden.
Das sind die Ziele. Der Verein Rückblende leiste für die Region
beispielhafte Arbeit, sagte Karl-Heinz Stadtler vom Förderverein der
Synagoge in Vöhl, der mit dem Volkmarser Verein verbunden ist. Es sei gerade
heutzutage wichtig, junge Menschen mit der Geschichte vertraut zu machen,
kritisches Denken, Offenheit und Toleranz zu fördern. Die lebendige
Schilderung der jüdischen Geschichte vor der NS-Zeit und der Verfolgung
unter der Nazi-Herrschaft berühre, sagte Bürgermeister Hartmut Linnekugel.
Volkmarsen sei einer von nur zirka 110 jüdischen Siedlungsorten im
mittelalterlichen Reich im Jahr 1238 gewesen.
"Ein Geschenk". Zu dieser Zeit, als die römisch-katholische Kirche
und der mit ihr verbundene Staat den Juden als feindlicher Religion
begegneten, sei in Volkmarsen der Grundstein für den Bau des jüdischen
Ritualbads gesetzt worden, das 500 Jahre später wieder entdeckt worden sei.
'So ein einzigartiges Kulturdenkmal mitten in unserer Stadt ist ein
Geschenk', sagte Linnekugel."
Link zum Artikel |
Links und Literatur
Links:
Quellen:
| Hinweis
auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Volkmarsen |
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs
(innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus
hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar:
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41
Zu Volkmarsen sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur
Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):
HHStAW 365,841 Verzeichnis der jüdischen Söhne in der
Synagogengemeinde in Volkmarsen mit Angabe von Geburtsdatum und
Beruf 1825 - 1825; Abschrift des Registers, angefertigt 1937 durch
das Vorsteheramt der Israeliten; enthält auch Angaben zu Ehringen
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2719790
HHStAW 365,837 Geburtsregister der Juden von Volkmarsen
1825 - 1852; alphabetisches Namensverzeichnis zum Geburtsregister der
jüdischen Gemeinde in Volkmarsen, Abschrift des jüdischen
Geburtsregisters, angefertigt 1937 durch das Vorsteheramt der Israeliten;
enthält auch Angaben zu Ehringen https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1030594
HHStAW 365,840 Sterberegister der Juden von Volkmarsen
1825 - 1874; alphabetisches Namensverzeichnis zum Sterberegister von
Volkmarsen; Abschrift des Sterberegisters der jüdsichen Gemeinde,
angefertigt 1937 durch das Vorsteheramt der Israeliten https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1510967
HHStAW 365,839 Trauregister der Juden von Volkmarsen
1825 - 1874; alphabetisches Namensverzeichnis zum Trauregister von
Volkmarsen, Trauregister der jüdischen Gemeinde Volkmarsen; enthält auch
Angaben zu Personen aus Ehringen
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5319781
HHStAW 365,842 Gräberverzeichnis des
jüdischen Friedhofs in Volkmarsen, aufgenommen im Juli 1938 durch
Baruch Wormser aus Grebenstein, wohnhaft in Kassel 1845 - 1934;
enthält einen Bericht zur Geschichte des jüdischen Friedhofs in
Volkmarsen mit Situationsplan, hebräische und deutsche
Grabinschriften https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3926575
HHStAW 365,838 Geburtsregister der Juden von Volkmarsen 1853 -
1874: Abschrift des jüdischen Geburtsregisters, angefertigt 1937 durch
das Vorsteheramt der Israeliten; enthält auch Angaben zu Personen aus
Ehringen
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5493931
|
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 329-331. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 70. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 68 (neue Informationen zum
rituellen Bad). |
 | dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007 S.
187-188. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 221. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 535-537. |
 | Michael Winkelmann: Die Hachscharah in Külte. In:
Renate Knigge-Tesche/Axel Ulrich (Hrsg.): Verfolgung und
Widerstand in Hessen 1933-1945. Eichborn Verlag Frankfurt am Main 1996 S.
102-112. |
 | Ernst Klein: Verschwundene Nachbarn - Verdrängte
Geschichte. Begleitbuch zur Dauerausstellung "Deutsch-jüdisches Leben
in unserer Region im Lauf der Jahrhunderte" in der Geschichtswerkstatt
Rückblende, Kasseler Straße 6 in Volkmarsen. ISBN 978-3-924259-11
17.50 €. |
 | ders.:
"aber es ist besser als Butterbrot in D.". Lebenswege jüdischer
Kinder, Frauen und Männer aus Deutschland. Hrsg. Deutsch-Israelische
Gesellschaft e.V. Volkmarsen 2016. ISBN 978-3-981334-41-8.
Dazu Artikel in der "Waldeckischen Landeszeitung" vom 29.
November 2016 (Link
zum Artikel): "Neues Buch fasst Biografien von Überlebenden des Naziunrechts zusammen.
Unfassbare Lebensgeschichten.
Volkmarsen. Der seit drei Jahrzehnten engagierte Geschichtsforscher Ernst Klein hat ein neues Buch über die Lebenswege jüdischer Kinder, Frauen und Männer aus Vöhl, Volkmarsen und Kassel veröffentlicht.
Das 250 Seiten starke Werk enthält 40 Biografien von ehemals Verfolgten, mit denen Ernst Klein im Laufe seiner Recherchen für den Verein Rückblende - Gegen das Vergessen' Kontakt aufgenommen hat.
Sie erzählten ihm ihre Lebensgeschichte und er hielt sie fest - für die nächste Generation.
'Ich habe in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass sich unsere jüngere deutsche Geschichte am besten an junge Leute weitergeben lässt, wenn man die historischen Details an Personen und Orte festmachen kann.
Deshalb habe ich die Lebensgeschichten, die man mir erzählt hat,
aufgeschrieben.' Illustre Förderer Mit Familienfotos und Landkarten versehen, auf denen die unterschiedlichen Fluchtwege nachzuvollziehen sind, ist das neue Buch eine wertvolle Lektüre nicht nur für Schüler. Der ungewöhnliche Titel
'aber es ist besser als Butterbrot in D.' entstammt einem Briefzitat von Ilse Lichtenstein.
Sie war unmittelbar nach den Novemberpogromen 1938 nach Holland geflohen. In einem Brief schrieb sie ihrer Großmutter über die Lage und vermied es seitdem den Ländernamen Deutschland zu verwenden. Ernst Kleins Buchveröffentlichung wurde vom Auswärtigen Amt und der deutsch-jüdischen Gesellschaft finanziert. Anstelle eines Honorars erbat sich Klein eine genügend große Anzahl von Exemplaren, um sie an Schulen in der Region zu verschenken.
Eines der Vorworte stammt von dem israelischen Politiker Moshe Meron, der sich seinerzeit auch für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Staat Israel und Deutschland einsetzte. Ernst Klein wird am kommenden Sonntag, 4. Dezember, um 16 Uhr in den Räumen der Geschichtswerkstatt im Haus Dr. Bock an der Kasseler Straße aus seinem Buch lesen.
Das Buch wird gegen Spenden abgegeben. Die Einnahmen sind für ein Museumsprojekt bestimmt. Wer sich für das Buch interessiert, sollte sich per Mail an Ernst Klein wenden:
ErnstWKlein@web.de." |
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Ernst
Klein: Bernstein und Hüneberg. Fünf Jahrhunderte Deutsch-Jüdische
Familiengeschichte. 300 S. illustriert mit zahlreichen Bildern, Schriften
und Dokumenten. Januar 2021. 22 €. Erhältlich im Buchhandel unter ISBN
978-3-982134369 oder direkt beim Autor Ernst Klein:
www.ernstklein-volkmarsen.de.
Zu diesem Buch: In diesem Buch über die Familien Bernstein und Hüneberg
durchlebt der Leser eine Familiengeschichte, die im 16. Jahrhundert beginnt
und durch die Zeiten der Emanzipation der deutschen Juden über die
ereignisreichen Erlebnisse Otto Bernsteins im Ersten Weltkrieg, das
Leben in der Weimarer Republik, die Zeiten der nationalsozialistischen
Terrorherrschaft und die unbeschreibliche Leidenszeit im Ghetto
Theresienstadt bis nach Australien führt. Sein Sohn Bern Brent
erzählt im zweiten Teil seines Buches von seiner Kindheit in Berlin, der
Flucht nach England, der unfreiwiligen Verschiffung nach Australien zu
Beginn des Zweiten Weltkriegs und seinem erfolgreichen Neuanfang in der
neuen Heimat. Den Abschluss bilden die Berichte über die Besuche Bern Brents
und seiner Kinder und Enkel in Deutschland.
Herausgeber und Verfasser der ergänzenden Artikel und Kommentare: Ernst
Klein, Autor bzw. Herausgeber zahlreicher Publikationen. Schwerpunkt seiner
langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit: Erforschung und Dokumentation der
Geschichte jüdischer Familien in Nordhessen und Ostwestfalen. Gründer und
langjähriger Leiter des Dokumentations- und Informationszentrums zur
deutsch-jüdischen Regionalgeschichte in Volkmarsen/Nordhessen ('Gustav-Hüneberg-Haus').
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Volkmarsen
Hesse-Nassau. Established in the 17th century, the community, which maintained a
synagogue and an elementary school, numbered 169 (about 6 % of the total) in
1855. Affiliated with the Kassel rabbinate, it dwindled to 34 in 1933. The Jews
mostly emigrated, disposing of their synagogue in 1937; the last eight perished
after they were deported to the east in 1942.

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